Trost
1734Dort stehen die Paläste, Hangen nieder die Gardinen, Und die hohen Fenster schauen Hell herab mit stolzen Mienen, Gleiten sanft die Füße über Sammetdecken in den Sälen. Und des Weines goldne Tropfen Rinnen dorten durch die Kehlen. —
Kleine schmale Fenster sehen Hier dem Sonnenlicht entgegen, Und dahinter siehst du viele Hände sich geschäftig regen: Unterm Boden nach den Straßen Müssen sie den Hammer schwingen. Daß sie in dem Kampf des Lebens Eine Stelle sich erringen!
Und in Lumpen siehst du dorten Einen Bettler sorgend gehn, Und um seine Glieder schlottern Fetzen in des Sturmes Wehn! Und empor dich bäumend möchtest Du zersprengen deine Kammer Wildes Herze, ob des Unrechts, Ob der Erde tiefen Jammer! —
Aber still und blicke immer Auf die Gräber nur hinunter, Von der Bäume Laub umhüllet, Weich und dicht und täglich bunter! Sieh! Ob Fetzen oder Kronen Sich um ihre Stirne winden: Dorten müssen alle eine Stätte, einen Frieden finden!
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Interpretation
Das Gedicht "Trost" von Max Vogler beschreibt einen Kontrast zwischen Reichtum und Armut, zwischen Luxus und Elend. Es beginnt mit einer Beschreibung der prächtigen Paläste, in denen die Reichen in Saus und Braus leben, während die Armen in den unteren Schichten der Gesellschaft schuften und um ihr Überleben kämpfen müssen. Der Dichter malt ein Bild von der Ungerechtigkeit und dem Leid, das in der Welt herrscht, und regt den Leser dazu an, sich darüber aufzuregen. Der zweite Teil des Gedichts wendet sich dann aber von diesem Schmerz und Zorn ab und rät dazu, Trost in der Vergänglichkeit allen Lebens zu finden. Der Dichter weist darauf hin, dass am Ende alle Menschen, ob reich oder arm, in den Tod gehen und dort einen Frieden finden werden. Die Gräber sind gleichsam die große Ausgleichsstelle, auf der alle Unterschiede zwischen den Menschen aufgehoben werden. Die Botschaft des Gedichts ist also eine tröstliche: Auch wenn das Leben ungerecht und voller Leid ist, gibt es am Ende einen Ausgleich, der alle Menschen eint. Der Tod ist der große Gleichmacher, der alle Unterschiede zwischen Arm und Reich, zwischen Glück und Unglück, zwischen Macht und Ohnmacht aufhebt. In diesem Sinne ist das Gedicht eine Aufforderung, die Vergänglichkeit des Lebens zu akzeptieren und Trost in der Gewissheit zu finden, dass am Ende alle Menschen gleich sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dort stehen die Paläste
- Kontrast
- Kleine schmale Fenster sehen / Hier dem Sonnenlicht entgegen
- Metapher
- Und des Weines goldne Tropfen
- Personifikation
- Und die hohen Fenster schauen / Hell herab mit stolzen Mienen
- Symbolik
- Sieh! Ob Fetzen oder Kronen / Sich um ihre Stirne winden