Trost

Ludwig Tieck

1734

Wenn die Ankerstricke brechen, Denen du zu sehr vertraust, Oft dein Glück so sicher schaust, Zornig nun die Wogen sprechen, – O so laß das Schiff den Wogen, Mast und Segel untergehn, Laß die Winde zornig wehn, Bleibe dir nur selbst gewogen, Von den Tönen fortgezogen, Wirst du schön’re Lande sehn: Sprache hat dich nur betrogen, Der Gedanke dich belogen, Bleibe hier am Ufer stehn. –

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Illustration zu Trost

Interpretation

Das Gedicht "Trost" von Ludwig Tieck beschreibt eine metaphorische Reise, bei der der Sprecher mit dem Scheitern seiner Pläne und Erwartungen konfrontiert wird. Die anfängliche Strophe thematisiert das plötzliche und unerwartete Zerbrechen der "Ankerstricke", die den Sprecher sicher hielten. Dies symbolisiert den Verlust von Stabilität und Vertrauen in seine bisherigen Überzeugungen und Pläne. Der Sprecher erkennt, dass er sich zu sehr auf diese vermeintlich sicheren Grundlagen verlassen hat, was zu Enttäuschung und Zorn führt. In der zweiten Strophe findet der Sprecher einen neuen Weg, um mit der Situation umzugehen. Er beschließt, das Schiff den Wellen zu überlassen und sich von den "Tönen" fortziehen zu lassen. Dies kann als eine Metapher für das Aufgeben von Kontrolle und das Akzeptieren des Unbekannten verstanden werden. Der Sprecher glaubt, dass er durch diese Aufgabe der Kontrolle "schön're Lande" sehen wird, was auf eine positive Veränderung oder ein neues Verständnis hindeutet. Die letzte Strophe bringt eine Art von Erkenntnis oder Weisheit zum Ausdruck. Der Sprecher erkennt, dass "Sprache" und "Gedanke" ihn getäuscht haben, was auf die Begrenztheit menschlicher Konzepte und Ausdrucksformen hinweist. Er rät sich selbst, am Ufer zu bleiben, was als eine Aufforderung zur Ruhe und zur Reflexion interpretiert werden kann. Das Gedicht endet mit einer Art Trost, der darin besteht, sich selbst treu zu bleiben und die Welt ohne die Filter von Sprache und Gedanken zu betrachten.

Schlüsselwörter

zornig wogen laß bleibe ankerstricke brechen denen vertraust

Wortwolke

Wortwolke zu Trost

Stilmittel

Imperativ
O so laß das Schiff den Wogen, Mast und Segel untergehn, Laß die Winde zornig wehn, Bleibe dir nur selbst gewogen
Metapher
Sprache hat dich nur betrogen, Der Gedanke dich belogen
Personifikation
Zornig nun die Wogen sprechen