Trost
1895Wie bin ich sonst so straff geschritten, Noch als ich in die siebzig kam, – Ist mir der Nerv entzwei geschnitten? Wie schleich’ ich jetzt so schlaff und lahm!
O schlimm! Doch in des Unmuts Tiefen Bleibt etwas mir, das mich ergetzt: Als ich so rüstig lief, da liefen Die Verse nicht so gut wie jetzt.
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Interpretation
Das Gedicht "Trost" von Friedrich Theodor Vischer handelt von den körperlichen Veränderungen im Alter und dem damit verbundenen Verlust an Vitalität. Der Sprecher beschreibt, wie er früher mit straffen Schritten unterwegs war, selbst als er bereits siebzig Jahre alt war. Nun fühlt er sich schwach und lahm, als ob ihm ein Nerv durchtrennt worden sei. Diese Beschreibung vermittelt ein Gefühl von Frustration und Unmut über den körperlichen Verfall. Trotz der negativen Gefühle, die der körperliche Zustand hervorruft, findet der Sprecher einen Trost in der Tatsache, dass seine poetische Tätigkeit im Alter besser geworden ist. In den Tiefen seines Unmuts bleibt ihm etwas, das ihn erfreut: Als er noch rüstig und voller Energie war, waren seine Gedichte nicht so gut wie jetzt. Diese Erkenntnis gibt ihm einen neuen Sinn und eine neue Motivation, auch wenn sein Körper nicht mehr so leistungsfähig ist wie früher. Das Gedicht vermittelt somit eine positive Botschaft über die Möglichkeit, auch im Alter neue Stärken und Talente zu entdecken. Es zeigt, dass der Verlust an körperlicher Kraft durch den Gewinn an geistiger oder kreativer Fähigkeit ausgeglichen werden kann. Der Sprecher findet einen neuen Sinn und eine neue Erfüllung in seiner poetischen Tätigkeit, die ihm Trost spendet und ihm hilft, mit den Veränderungen im Alter umzugehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegensatz
- Wie bin ich sonst so straff geschritten, / Noch als ich in die siebzig kam, – / Ist mir der Nerv entzwei geschnitten? / Wie schleich' ich jetzt so schlaff und lahm!
- Ironie
- Die Verse nicht so gut wie jetzt
- Kontrast
- O schlimm! Doch in des Unmuts Tiefen / Bleibt etwas mir, das mich ergetzt: / Als ich so rüstig lief, da liefen / Die Verse nicht so gut wie jetzt.
- Metapher
- Ist mir der Nerv entzwei geschnitten