Tristan
1825Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, Ist dem Tode schon anheimgegeben, Wird für keinen Dienst auf Erden taugen, Und doch wird er vor dem Tode beben, Wer die Schönheit angeschaut mit Augen!
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe, Denn ein Tor nur kann auf Erden hoffen, Zu genügen einem solchen Triebe: Wen der Pfeil des Schönen je getroffen, Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen, Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen, Und den Tod aus jeder Blume riechen: Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!
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Interpretation
Das Gedicht "Tristan" von August von Platen handelt von der zerstörerischen Kraft der Schönheit und der unerfüllbaren Liebe. Der Sprecher beschreibt, wie derjenige, der Schönheit mit eigenen Augen gesehen hat, dem Tod geweiht ist und auf Erden für keinen Dienst mehr taugt. Doch trotz dieser Erkenntnis wird er vor dem Tod zittern, da die Schönheit einen unwiderstehlichen Bann auf ihn ausübt. Der zweite Teil des Gedichts verdeutlicht, dass für den Betroffenen die Qual der Liebe ewig währen wird. Nur ein Narr könne darauf hoffen, einem solchen Trieb zu genügen. Wer einmal vom Pfeil der Schönheit getroffen wurde, wird für immer unter der Qual der unerfüllten Liebe leiden. Die Schönheit wird als etwas Unnahbares und Göttliches dargestellt, das den Menschen in seinen Bann zieht und ihn zugleich zerstört. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Sprecher den Wunsch aus, wie eine versiegende Quelle zu vergehen und jeden Hauch der Luft zu vergiften. Er möchte den Tod aus jeder Blume riechen, da die Schönheit ihn so sehr gequält hat. Die Schönheit hat ihn so sehr in ihren Bann gezogen, dass er sich nach dem Tod sehnt, um dem Leid zu entfliehen. Das Gedicht endet mit der Wiederholung des ersten Verses, was die ewige Wiederkehr des Leidens und die Unentrinnbarkeit der Schönheit betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wer die Schönheit angeschaut mit Augen
- Chiasmus
- Wird für keinen Dienst auf Erden taugen, Und doch wird er vor dem Tode beben
- Hyperbel
- Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen
- Parallelismus
- Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe
- Personifikation
- Wen der Pfeil des Schönen je getroffen