Trinklied
1835Laßt mich trinken, laßt mich trinken, Laßt von diesem Feuerwein Immer neue Fluten sinken Mir in’ s durst’ge Herz hinein!
Jedes Ende sei vergessen! Wie’s im Innern drängt und schafft! Sagt, wer will mir jetzo messen Grenz’ und Schranke meiner Kraft!
Stellt mir schwere, weite, blanke Becher ohne Ende her, Füllet sie mit diesem Tranke, Und ich trink’ euch alle leer!
Bringt mir Mädchen, schöne, wilde, Noch so spröd und noch so stolz, Schickt die schreckliche Brunhilde, Alle trifft der Liebesbolz!
Stellet mir die schwersten Fragen! Wo das ew’ge Räthsel ruht? Feuerhell und aufgeschlagen Schwimmt es hier im rothen Blut!
Gebt mir Staaten zu regieren! Kinderspiel soll mir es sein! Gebt mir Heere anzuführen, Und die ganze Welt ist mein!
Burgen möcht’ ich jauchzend stürmen, Ihre Fahnen zittern schon, Felsen, Felsen möcht’ ich thürmen Und erobern Gottes Thron!
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Interpretation
Das Gedicht "Trinklied" von Friedrich Theodor Vischer ist ein ausgelassenes und kraftvolles Loblied auf das Trinken und die damit verbundenen Empfindungen. Der Sprecher fordert in den ersten Strophen nach mehr Wein, um seinen Durst zu stillen und die Sorgen des Alltags zu vergessen. Der Wein wird als "Feuerwein" beschrieben, was seine berauschende Wirkung und die Intensität der Erfahrung unterstreicht. Der Sprecher betont, dass er keine Grenzen oder Beschränkungen für seine Kraft und sein Verlangen akzeptiert. In den folgenden Strophen steigert sich die Euphorie des Sprechers, der sich von seiner Trunkenheit ermutigt fühlt, scheinbar unmögliche Taten zu vollbringen. Er fordert schöne und stolze Mädchen heraus, selbst die furchteinflößende Brunhilde, und behauptet, dass die Liebe ihn alle erobern wird. Er zeigt sich bereit, die schwersten Fragen zu beantworten und die Welt zu regieren, als wäre es ein Kinderspiel. Die Macht des Weins scheint ihm übermenschliche Fähigkeiten zu verleihen. Das Gedicht kulminiert in den letzten Strophen, in denen der Sprecher seine Trunkenheit als Mittel zur Überwindung aller Hindernisse und zur Erreichung des Unmöglichen feiert. Er will Burgen stürmen, Fahnen zittern sehen und sogar Gottes Thron erobern. Die ekstatische Stimmung des Gedichts spiegelt die traditionelle Verbindung zwischen Trinkgelagen und der Auflösung von Grenzen wider, sowohl im physischen als auch im spirituellen Sinne. Vischer nutzt die Metapher des Trinkens, um die menschliche Sehnsucht nach Freiheit, Macht und Transzendenz zu erkunden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Laßt mich trinken, laßt mich trinken
- Hyperbel
- Und die ganze Welt ist mein
- Metapher
- erobern Gottes Thron
- Personifikation
- ihre Fahnen zittern schon