Trinklied

Ernst Moritz Arndt

1817

Bringt mir Blut der edlen Reben, Bringt mir Wein! Wie ein Frühlingsvogel schweben In den Lüften soll mein Leben In dem Wein.

Bringt mir Efeu, bringt mir Rosen Zu dem Wein! Mag Fortuna sich erbosen, Selbst will ich mein Glück mir losen In dem Wein.

Bringt mir Mägdlein, hold und mundlich Zu dem Wein! Rollt die Stunde glatt und rundlich, Greif’ ich mir die Lust sekundlich In dem Wein.

Bringt mir auch - das darf nicht fehlen Bei dem Wein - Echte treue, deutsche Seelen Und Gesang aus hellen Kehlen Zu dem Wein.

Klang dir, Bacchus, Gott der Liebe, In dem Wein! Sorgen fliehen fort wie Diebe, Und wie Helden glühn die Triebe Durch den Wein.

Klang dir, Bacchus, Gott der Wonne, In dem Wein! Ha! Schon schau’ ich Mond und Sonne, Alle Sterne in der Tonne, In dem Wein.

Höchster Klang, wem sollst du klingen In dem Wein? Süßestes von allen Dingen, Dir will ich’s im stillen bringen In dem Wein.

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Illustration zu Trinklied

Interpretation

Das Gedicht "Trinklied" von Ernst Moritz Arndt ist ein ausgelassenes Loblied auf den Wein und die damit verbundenen Freuden des Lebens. In jedem der sechs Strophen wird der Wein als zentrales Element dargestellt, das verschiedene Formen des Genusses und der Geselligkeit ermöglicht. Der Sprecher fordert wiederholt die Anwesenheit von Wein, begleitet von Efeu, Rosen, Mädchen, treuen Seelen und Gesang, um ein rundum gelungenes Fest zu feiern. Der Wein wird als Lebenselixier und Quelle der Freude dargestellt, das Sorgen vertreibt und die Sinne belebt. Der Sprecher vergleicht sein Leben mit einem Frühlingsvogel, der in den Lüften schwebt, und assoziiert den Wein mit Glück, Lust und Mut. Die Anwesenheit von Mädchen und Gesang unterstreicht die sinnliche und gesellige Natur des Festes, während die Erwähnung treuer, deutscher Seelen einen patriotischen Unterton verleiht. In den letzten beiden Strophen wird der Wein als göttliche Gabe verehrt, die den Sprecher in einen Zustand der Ekstase versetzt. Der Sprecher imaginiert, den Mond, die Sonne und alle Sterne in der Tonne zu sehen, was auf eine Art Trunkenheit oder spirituelle Erleuchtung hindeutet. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass der höchste Klang, das süßeste aller Dinge, im stillen dem Wein gewidmet werden soll, was die tiefe Verbundenheit des Sprechers mit diesem Getränk unterstreicht.

Schlüsselwörter

wein bringt klang will bacchus gott blut edlen

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Stilmittel

Alliteration
Selbst will ich mein Glück mir losen
Anapher
Bringt mir Blut der edlen Reben, Bringt mir Wein! Bringt mir Efeu, bringt mir Rosen, Bringt mir Mägdlein, hold und mundlich, Bringt mir auch - das darf nicht fehlen
Apostrophe
Klang dir, Bacchus, Gott der Liebe
Bildsprache
Alle Sterne in der Tonne
Hyperbel
Süßestes von allen Dingen
Kontrast
Sorgen fliehen fort wie Diebe
Metapher
Blut der edlen Reben
Personifikation
Wie ein Frühlingsvogel schweben
Symbolik
Wein als Symbol für Lebensfreude und Ekstase