Trinklied im Frühling

Hermann Kurz

1902

Der Himmel lacht und heitre Lüfte spielen, Der Frühling kehrt zurück in seiner goldnen Pracht; Mit lautem Jubelsang wird hier im Kühlen Der schönen Zeit ein volles Glas gebracht. Die Treu’ verklärt die fröhlichen Gesichter, Die Freude thronet hier in ihrem Königshaus, Die Lieb’ entflammt die hellen Frühlingslichter Und spannt den blauen Bogen drüber aus.

In roter Glut die Goldpokale funkeln, Die Sonne schaut mit Lust nach ihrem Kind, dem Wein, Und Geistertöne klingen durch die dunkeln Gewölbe dieser Blütenbäume drein: O seht die Schar der kleinen Geister lauschen, Die in der Tiefe sich mit holdem Feuer tränkt! Wo ihres Meeres wildste Fluten rauschen, Da sei die ganze Seele drein versenkt!

Der Strom des Lebens mag hinunterquellen, Wenn nur die Trauben stets an seinem Ufer glühn, Und süße Augen auf die dunkeln Wellen Verklärend ihre Sonnenblicke sprühn: Drum wenn am Himmel heitre Lüfte spielen, Der Frühling wiederkehrt in seiner goldnen Pracht, Wird unter hellem Jubelsang im Kühlen Der schönen Zeit ein volles Glas gebracht.

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Illustration zu Trinklied im Frühling

Interpretation

Das Gedicht "Trinklied im Frühling" von Hermann Kurz ist ein lebensbejahendes Loblied auf die Freuden des Lebens und die Schönheit des Frühlings. Es beginnt mit einer Beschreibung der heiteren Atmosphäre, die durch den Himmel und die Lüfte geschaffen wird, und kündigt die Rückkehr des Frühlings in seiner vollen Pracht an. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich, was durch den "lauten Jubelsang" und das "volle Glas" symbolisiert wird, das in Ehren des Frühlings gebracht wird. Die Verse vermitteln ein Gefühl der Gemeinschaft und des Feierns, wobei Treue, Freude und Liebe als zentrale Themen hervorgehoben werden. Im zweiten Teil des Gedichts wird die sinnliche Erfahrung des Trinkens und Feierns vertieft. Die "Goldpokale" in "roter Glut" und die Sonne, die "mit Lust" auf den Wein blickt, verstärken die visuelle und emotionale Intensität der Szene. Die Erwähnung der "Geistertöne", die durch die "dunkeln Gewölbe" der Blütenbäume klingen, fügt eine mystische und fast überirdische Dimension hinzu. Dies könnte als Anspielung auf die transzendente Natur des Trinkerlebnisses interpretiert werden, bei dem die Seele in die Tiefe des Moments eintaucht und sich in der "ganzen Seele" versenkt. Das Gedicht schließt mit einer Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Wichtigkeit, die Gegenwart zu genießen. Der "Strom des Lebens" mag fließen und vergehen, aber solange die Trauben am Ufer glühen und süße Augen ihre "Sonnenblicke" auf die Wellen werfen, gibt es Grund zur Freude. Die Wiederholung des ersten Verses am Ende des Gedichts unterstreicht die zyklische Natur des Lebens und die beständige Rückkehr des Frühlings als Symbol für Erneuerung und Hoffnung. Insgesamt ist das Gedicht eine Feier des Lebens, der Natur und der menschlichen Fähigkeit, Freude und Schönheit in den einfachen Dingen zu finden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Und süße Augen auf die dunkeln Wellen Verklärend ihre Sonnenblicke sprühn
Personifikation
Der Himmel lacht und heitre Lüfte spielen