Trinklied
1806Trinkt Brüder der Reben Entflammten Saft! Er würzet das Leben Und schenkt uns Kraft. Die Waßertrinker die keuchen, Sehn wie Gespenster und Leichen Und werden mit mürrischem Gram bestraft.
Schleicht heute nicht blasser Der Mond dahin? Er trank zu viel Waßer, Das bleichet ihn. Hätt er Burgunder zu trinken, Er würd Euch treflicher blinken, Er würde wie unsere Wangen glühn.
Was quaken die Frösche In jenem Sumpf? Wird nicht ihr Gewäsche Vom Waßer dumpf? Laßt sie im Rebensaft schwimmen! Ich schwörs, in unsere Stimmen Tönt gellend dem Bachus auch ihr Triumph.
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Interpretation
Das Gedicht "Trinklied" von Heinrich Christian Boie ist eine leidenschaftliche Ode auf den Genuss von Wein und eine scharfe Kritik an Wassertrinkern. Der Dichter preist den "entflammten Saft" der Reben als Quelle des Lebens und der Kraft, während er diejenigen, die Wasser trinken, als blass und leblos darstellt. Die Vergleiche mit "Gespenstern und Leichen" unterstreichen die Abneigung des Dichters gegen den Wassergenuss und betonen die Vitalität, die der Wein verleiht. In der zweiten Strophe zieht Boie eine Parallele zwischen dem bleichen Mond und den Wassertrinkern. Er suggeriert, dass der Mond selbst zu viel Wasser getrunken hat, was ihn blass erscheinen lässt. Hätte der Mond stattdessen Burgunder getrunken, so würde er in einem "treflicheren" Licht erscheinen und wie die Wangen der Trinker glühen. Diese Metapher verstärkt die Idee, dass Wein nicht nur den Menschen, sondern auch die Natur in ein lebendigeres und farbenfroheres Licht tauchen kann. Die letzte Strophe wendet sich den Fröschen im Sumpf zu, die mit ihrem Quaken als störend empfunden werden. Boie schlägt vor, dass diese Frösche lieber im "Rebensaft" schwimmen sollten, anstatt im Wasser. Er schwört, dass selbst die Stimmen der Frösche dann den Triumph des Bacchus, des Weingottes, erklingen lassen würden. Diese abschließende Strophe unterstreicht die allumfassende Natur des Weingenusses, der selbst die unangenehmsten Aspekte der Natur in etwas Feierliches verwandeln kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Trinkt Brüder der Reben / Entflammten Saft! / Er würzet das Leben / Und schenkt uns Kraft.
- Hyperbel
- Er würzet das Leben / Und schenkt uns Kraft.
- Metapher
- Tönt gellend dem Bachus auch ihr Triumph.
- Personifikation
- Schleicht heute nicht blasser / Der Mond dahin?
- Vergleich
- Er würde wie unsere Wangen glühn.