Trinklied [2]
1744Trinkt und füllt ohn Unterlaß Den Pokal, den Rosen kränzen, Bis wir gleich dem Wein im Glas, Gleich des Kranzes Rosen glänzen! So verachten wollen wir Alles Gold in Schicht und Schachten, Wollen auch der Ruhmbegier, Auch der Liebe selbst nicht achten.
Heut ist unser! Laßt das heut, Freund’, uns so behäglich halten, Das es schier ihm selber reut, Sich in morgen umzustalten! Heute lacht uns noch die Welt, Heut ist alles wohl geborgen; Guten Göttern heimgestellt Bleibe bis er kommt der Morgen!
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Interpretation
Das Gedicht "Trinklied [2]" von Heinrich Christian Boie ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das unbeschwerte Feiern und Genießen des Augenblicks. Der Sprecher fordert dazu auf, ununterbrochen aus Pokalen zu trinken, die von Rosen gekrönt sind, bis sie selbst wie der Wein im Glas und wie die Rosen im Kranz erstrahlen. Dieser Zustand symbolisiert eine Art Rausch oder Ekstase, in der man alle weltlichen Werte wie Gold, Ruhm und Liebe verachtet. Die Botschaft ist klar: Nur im Augenblick des Trinkens und Feierns findet man wahre Erfüllung. Der zweite Teil des Gedichts betont die Vergänglichkeit der Zeit und die Notwendigkeit, den heutigen Tag voll auszukosten. Der Sprecher fordert auf, den heutigen Tag so zu gestalten, dass er es selbst bereut, sich in den morgigen Tag zu verwandeln. Dies unterstreicht die Dringlichkeit und die Intensität des Lebensgenusses. Die Welt lächelt uns noch heute zu, und alles ist in bester Ordnung. Der Morgen soll den guten Göttern überlassen werden, bis er kommt, was eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Zukunft ausdrückt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine hedonistische Lebensphilosophie, die den Genuss des Augenblicks über alle anderen Werte stellt. Es ruft dazu auf, die Sorgen und Verpflichtungen des Alltags hinter sich zu lassen und sich dem Rausch des Augenblicks hinzugeben. Die Sprache ist lebhaft und einladend, und die Bilder von Wein, Rosen und Pokalen schaffen eine sinnliche Atmosphäre, die den Leser in den Bann zieht.
Schlüsselwörter
Wortwolke
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Stilmittel
- Hyperbel
- So verachten wollen wir / Alles Gold in Schicht und Schachten
- Metapher
- Bis wir gleich dem Wein im Glas, / Gleich des Kranzes Rosen glänzen!
- Personifikation
- Heut ist unser! Laßt das heut, / Freund', uns so behäglich halten, / Das es schier ihm selber reut, / Sich in morgen umzustalten!
- Symbolik
- Trinkt und füllt ohn Unterlaß / Den Pokal, den Rosen kränzen