Trinken und Singen
1841Viel Essen macht viel breiter Und hilft zum Himmel nicht, Es kracht die Himmelsleiter,
Kommt so ein schwerer Wicht. Das Trinken ist gescheiter, Das schmeckt schon nach Idee, Da braucht man keine Leiter, Das geht gleich in die Höh.
Chor
Da braucht man keine Leiter, Das geht gleich in die Höh.
Viel Reden ist manierlich: “Wohlauf?” - Ein wenig flau. - “Das Wetter ist spazierlich.” Was macht die liebe Frau? - “Ich danke” - und so weiter, Und breiter als ein See Das Singen ist gescheiter, Das geht gleich in die Höh.
Chor
Das Singen ist gescheiter, Das geht gleich in die Höh.
Die Fisch und Musikanten Die trinken beide frisch, Die Wein, die andern Wasser - Drum hat der dumme Fisch Statt Flügel Flederwische Und liegt elend im See - Doch wir sind keine Fische, Das geht gleich in die Höh.
Chor
Doch wir sind keine Fische, Das geht gleich in die Höh.
Ja, Trinken frisch und Singen Das bricht durch alles Weh, Das sind zwei gute Schwingen, Gemeine Welt, ade! Du Erd mit deinem Plunder, Ihr Fische samt der See, ’s geht alles, alles unter, Wir aber in die Höh!
Chor
’s geht alles, alles unter, Wir aber in die Höh!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Trinken und Singen" von Joseph von Eichendorff handelt von der Freude am Leben und der Überwindung von irdischen Sorgen durch Genuss und Gesang. In den ersten Strophen wird Essen als hinderlich dargestellt, da es schwer macht und den Aufstieg zum Himmel erschwert. Im Gegensatz dazu wird das Trinken als geistreicher und beflügelnder Akt beschrieben, der einen direkt in höhere Sphären erhebt. Die zweite Strophe kontrastiert das leere Geschwätz mit dem erhebenden Gesang. Während viel Reden als oberflächlich und unergiebig gilt, wird das Singen als wirkungsvoller und aufbauender dargestellt. Es wird betont, dass das Singen einen direkt in die Höhe trägt, ohne dass man eine Leiter benötigt. In der dritten Strophe wird ein Vergleich zwischen Fischen und Musikanten gezogen. Fische, die nur Wasser trinken, bleiben in den Tiefen des Meeres gefangen und haben keine Flügel. Im Gegensatz dazu erheben sich die Menschen, die Wein trinken und singen, in höhere Regionen. Das Gedicht endet mit einem triumphalen Ausbruch, in dem die irdische Welt verlassen und in höhere Sphären aufgestiegen wird. Der Chor wiederholt am Ende jeder Strophe die zentrale Botschaft: "Das geht gleich in die Höh", was die erhebende Wirkung von Trinken und Singen unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Trinken frisch und Singen
- Chiasmus
- Die Wein, die andern Wasser
- Hyperbel
- Das geht gleich in die Höh
- Kontrast
- Doch wir sind keine Fische
- Metapher
- Es kracht die Himmelsleiter
- Personifikation
- Das Wetter ist spazierlich
- Symbolik
- Himmelsleiter
- Vergleich
- Breiter als ein See
- Wiederholung
- Das geht gleich in die Höh