Trieb
unbekanntEs treiben mich brennende Lebensgewalten, Gefühle, die ich nicht zügeln kann, und Gedanken, die sich zur Form gestalten, fällen mich wie Wölfe an!
Ich irre durch duftende Sonnentage… und die Nacht erschüttert von meinem Schrei. Meine Lust stöhnt wie eine Marterklage und reißt sich von ihrer Fessel frei.
Und schwebt auf zitternden, schimmernden Schwingen dem sonn’gen Tal in den jungen Schoß, und lässt sich von jedem Mai’nhauch bezwingen und gibt der Natur sich willenlos.
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Interpretation
Das Gedicht "Trieb" von Else Lasker-Schüler beschreibt die überwältigende Kraft innerer Antriebe, die den lyrischen Ich zwingen, sich ihrer Natur zu überlassen. Die "brennenden Lebensgewalten" und unkontrollierbaren Gefühle und Gedanken werden als aggressive Wölfe dargestellt, die das Ich überwältigen. Diese Naturgewalten treiben den lyrischen Ich durch sonnige Tage und schreiende Nächte, wobei die Lust als qualvolle Marterklage empfunden wird, die sich schließlich von ihren Fesseln befreit. Die zweite Strophe veranschaulicht den Höhepunkt dieser Triebe, die sich auf "zitternden, schimmernden Schwingen" in das "sonn'ge Tal" erheben. Das Tal wird als Schoß personifiziert, was auf eine Rückkehr zur Natur und einen Zustand der Geborgenheit hindeutet. Die Triebe lassen sich von jedem Hauch des Mais bezwingen, was die Sinnlichkeit und die Fruchtbarkeit des Frühlings betont. Das Ich gibt sich schließlich "willenlos" der Natur hin, was eine Akzeptanz und Hingabe an die eigenen Triebe und die Natur impliziert. Das Gedicht thematisiert die unausweichliche Kraft der Natur und der eigenen Triebe, die das Individuum zu überwältigen drohen. Lasker-Schüler verwendet kraftvolle Bilder wie Wölfe und Marterklagen, um die Intensität dieser Gefühle zu vermitteln. Die Befreiung von den Fesseln und die schließlich "willenlose" Hingabe an die Natur deuten auf eine kathartische Erfahrung hin, bei der das Ich seine Kontrolle aufgibt und sich den natürlichen Kräften öffnet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- gibt der Natur sich willenlos
- Personifikation
- Gedanken, die sich zur Form gestalten
- Vergleich
- fällen mich wie Wölfe an