Treue

Betty Paoli

1814

Was macht so edel und so schön die Treue, Womit ein standhaft Herz die Welt bezwingt? Der dunkle Zug ist′s, welcher es bedingt, Daß gern am Wechsel sich der Mensch erfreue,

Uns Alle lockt verführerisch das Neue. Nur Wen′ge giebt es, denen es gelingt, Vom Reiz, der schmeichelnd ihren Sinn umschlingt, Sich abzuwenden, ernst, mit frommer Scheue.

D′rum zürne nicht, und lerne es vergessen, Wenn dir ein schwach Gemüth die Treue bricht! Wer hieß dich, es nach höchstem Maße messen?

Doch fand′st du ein′s vom echten Mark und Stamme, Dann neige dich vor seinem reinen Licht, Still, wie der Parse vor der heil′gen Flamme

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Illustration zu Treue

Interpretation

Das Gedicht "Treue" von Betty Paoli beschäftigt sich mit der Frage, was Treue so edel und schön macht und warum ein standhaftes Herz die Welt bezwingt. Paoli deutet an, dass der dunkle Zug, der Menschen dazu verleitet, sich am Wechsel zu erfreuen, der Grund für die Seltenheit und den Wert der Treue ist. Die meisten Menschen werden vom Reiz des Neuen verführt und nur wenige können sich davon abwenden. Paoli fordert dazu auf, nicht zu zürnen, wenn ein schwaches Gemüt die Treue bricht. Sie betont, dass es menschlich ist, sich vom Reiz des Neuen umgarnen zu lassen. Das Gedicht regt dazu an, es zu lernen, solche Enttäuschungen zu vergessen und nicht zu hohe Maßstäbe an die Treue anderer anzulegen. Gleichzeitig wird die Seltenheit und der Wert echter Treue hervorgehoben. Am Ende des Gedichts wird die Ehrfurcht vor einem Menschen beschrieben, der von echtem Mark und Stamm ist, also wahre Treue besitzt. Paoli vergleicht die Verehrung eines solchen Menschen mit der Anbetung eines Parsen vor der heiligen Flamme. Dies unterstreicht die tiefe Bewunderung und den Respekt, den ein Mensch verdient, der sich durch seine standhafte Treue auszeichnet.

Schlüsselwörter

treue macht edel schön womit standhaft herz welt

Wortwolke

Wortwolke zu Treue

Stilmittel

Alliteration
schmeichelnd ihren Sinn umschlingt
Hyperbel
mit frommer Scheue
Metapher
heil′gen Flamme
Personifikation
Uns Alle lockt verführerisch das Neue
Rhetorische Frage
Was macht so edel und so schön die Treue