Trennungslied

Gabriele von Baumberg

1768

Theurer Freund! zwey Jahre sind vergangen, Ach! und ohne Wiederkehr verlebt, Seit der Liebe zärtliches Verlangen Unsrer Ruhe untergräbt.

Traurig schwand der Rest vin meiner Jugend, Sträubend, zwischen Pflicht und Liebe hin, Und , die schönste Tugend, Nennt die Welt .

Schweigen muss ich, dass ich noch dich liebe, Unterdrücken den geheimen Gram, Dass durch Sturm der Funken edler Triebe Statt erstickt, zu hellen Flammen kam.

Ach! was soll aus deiner Freundin werden, Wann du fern aus unsern Mauern bist; Wann sie – ach! nur den Gefährten Ihrer frohen Stunden nicht vergisst?

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Illustration zu Trennungslied

Interpretation

Das Gedicht "Trennungslied" von Gabriele von Baumberg handelt von einer tiefen, unerfüllten Liebe und der schmerzhaften Trennung von einem geliebten Menschen. Die lyrische Ich-Persönlichkeit blickt auf zwei Jahre zurück, die sie in Sehnsucht und innerem Konflikt verbracht hat, zwischen Pflicht und Liebe hin- und hergerissen. Die Zeit hat ihre Jugend verzehrt, und die Liebe, die als "zärtliches Verlangen" beschrieben wird, hat ihre Ruhe untergraben. Die Gesellschaft verurteilt diese Liebe als Schwäche oder Laster, weshalb die Sprecherin gezwungen ist, ihre Gefühle zu verbergen und den "geheimen Gram" zu unterdrücken. Die Intensität der Liebe wird durch das Bild des Feuers symbolisiert, das durch den Sturm nicht erstickt, sondern zu hellen Flammen entfacht wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Trennung und die damit verbundenen Schwierigkeiten die Leidenschaft eher verstärkt als gemindert haben. Die Sprecherin fürchtet die Zukunft ohne den Geliebten und fragt sich, was aus ihr werden soll, wenn er fort ist. Sie sorgt sich, dass sie nur noch als Gefährtin für fröhliche Stunden in Erinnerung bleiben könnte, ohne die tiefe emotionale Verbindung, die einst bestand. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Resignation und des unausgesprochenen Schmerzes. Die Liebe bleibt unerfüllt, und die Sprecherin muss ihre Gefühle verbergen, um den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Die Trennung ist endgültig, und die Zukunft erscheint unsicher und einsam. Das "Trennungslied" wird so zu einem Ausdruck der Tragik unerlaubter oder unmöglicher Liebe im 19. Jahrhundert, wo gesellschaftliche Konventionen oft das persönliche Glück verhinderten.

Schlüsselwörter

liebe wann theurer freund zwey jahre vergangen wiederkehr

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Stilmittel

Anapher
Seit der Liebe zärtliches Verlangen / Unsrer Ruhe untergräbt.
Metapher
Und , die schönste Tugend, / Nennt die Welt .
Personifikation
Dass durch Sturm der Funken edler Triebe / Statt erstickt, zu hellen Flammen kam.
Rhetorische Frage
Ach! was soll aus deiner Freundin werden, / Wann du fern aus unsern Mauern bist;