Trennung
1814Was wir gelitten und erduldet Durch meine Fehler, deine Schwächen, Was du geirrt, was ich verschuldet - Wir wollen nicht darüber sprechen.
Wer an dem Zwiespalt unsrer Tage - Zu lösen nicht und nicht zu schlichten, - Die größ′re Schuld, die klein′re trage, Wir wollen nicht darüber richten.
Ich weiß nur Ein′s! nur Eines fühle Im Herzen ich, dem trauervollen: Wir hätten in dem Weltgewühle Uns nun und nimmer finden sollen.
Und da wir dennoch uns gefunden, So laß uns zürnen nicht und klagen Ob all den Schmerzen und den Wunden, Die Ein′s dem Andern wir geschlagen.
Nicht böser Wille ist′s gewesen, Der uns gebracht so herbe Leiden; Uns trennet unser tiefstes Wesen, Der Gott im Innern heißt uns scheiden.
Ein Frevel war, was einst wir schwuren Und Thorheit unser Kämpfen, Weinen! Sich widerstrebende Naturen Die kann die Liebe nicht vereinen.
Je heißer, sehnender sie ringen Nach sel′gen Einklangs sanften Frieden, So tiefer wird es sie durchdringen, Durch welche Klüfte sie geschieden. -
Und so ist es auch uns ergangen, Gott weiß allein, mit welchen Qualen Mit wie verzweiflungsvollem Bangen Wir für den Irrthum mußten zahlen.
Jetzt ist der Klarheit Tag erschienen - Laß uns ihn ohne Groll begrüßen Und, klaglos, auf des Glücks Ruinen Für Schuld, die nicht die unsre, büßen.
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Interpretation
Das Gedicht "Trennung" von Betty Paoli beschäftigt sich mit den Schmerzen und Schwierigkeiten einer gescheiterten Beziehung. Die Autorin reflektiert über die Fehler und Schwächen, die zum Scheitern geführt haben, ohne jedoch die Schuldzuweisungen in den Vordergrund zu stellen. Sie betont, dass die beiden Personen in der Beziehung zu unterschiedlich waren, um ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen. Die Autorin erkennt an, dass die Liebe allein nicht ausreicht, um zwei Menschen mit entgegengesetzten Naturen zusammenzubringen. Sie beschreibt den Prozess der Trennung als schmerzhaft, aber notwendig, da sie beide erkannt haben, dass sie nicht füreinander bestimmt waren. Die Trennung wird als Befreiung von einem Irrtum dargestellt, der mit vielen Qualen und Verzweiflung einherging. Abschließend zeigt die Autorin eine gewisse Resignation und Akzeptanz gegenüber der Situation. Sie betont, dass es wichtig ist, die Trennung ohne Groll zu akzeptieren und die Verantwortung für die gescheiterte Beziehung zu übernehmen, auch wenn die Schuld nicht allein bei ihnen lag. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf einen klaren Tag, an dem sie ohne Vorwürfe und Schuldzuweisungen die Ruinen des Glücks hinter sich lassen können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was wir gelitten und erduldet
- Antithese
- Zu lösen nicht und nicht zu schlichten
- Metapher
- Auf des Glücks Ruinen
- Personifikation
- Der Gott im Innern heißt uns scheiden
- Wortfeld
- Schmerzen und den Wunden, Die Ein′s dem Andern wir geschlagen