Trennung

Friederike Sophie Christiane Brun

1835

Romanze

O bleicher Jüngling im Mondenschein, Tief dringt mir dein Leid in das Herz hinein; Du leidest so viel, du leidest so sehr - O weine, weine, weine nicht mehr!

Es hing der Neumond vom Himmel her, Sanft wogt′ in Silberfunkeln das Meer, Und rings um der Wogen zitternden Glanz Stand duftender Hügel Blüthenkranz.

Das Mägdlein still auf dem Söller stand, Es wußte kaum, was das Herz empfand; Aus des Jünglings sanftumdämmertem Blick Strahlt ihm Himmel und Erd′ und Meer zurück.

Er fühlet die Lust, er fühlet das Weh, Tief wogt′s in der Brust, wie in wilder See! O Jüngling so schön, o Jüngling so gut, Tief wallt′s dir im innersten Herzensblut.

Und liebest sie ewig und liebst sie allein? Und dennoch muß es geschieden seyn? O bleicher Jüngling im Mondenglanz, Dein Schmerz zerreißt mir den Busen ganz!

»O Mutter, gieb mir die holde Maid, Die ich liebe nun und in Ewigkeit! O Mutter, gieb mir des Herzens Ruh′, Du hast dann zur Tochter den Sohn dazu!«

So flehte die Stimme, so flehte der Blick! Doch hielt er das bebende Wort zurück: O Jüngling, dich nähm′ ich an Mutterbrust, Du wärest mein Stolz, mein Glück, meine Lust!

Doch geschieden muß es, geschieden seyn! Und verhärten das Herz in kalten Stein! Und ziehen dahin in die düstere Nacht Aus des warmen Tages wonniger Pracht!

Du bleibst verwais′t in dem Zauberland, Wir ziehen hinab an den kalten Strand; Wo der Geist verblühet, das Herz erstarrt, Und die Schönheit nimmer empfunden ward.

Und so traurest du hier, und so trauren wird dort, Und so rinnet das trauernde Leben fort: Bis in Lethe′s Fluth der Schatten versinkt, Und Vergessen der Freud′ und der Leiden trinkt.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Trennung

Interpretation

Das Gedicht "Trennung" von Friederike Sophie Christiane Brun thematisiert die schmerzhafte Trennung zweier Liebenden. Es beginnt mit der Begegnung eines bleichen Jünglings im Mondenschein, dessen tiefe Trauer den Erzähler berührt. Die Szene spielt in einer romantischen Nacht, in der der Neumond am Himmel steht und das Meer sanft in Silberfunkeln wogt. Die Umgebung ist von einer duftenden Blütenpracht umgeben, die die Stimmung der Sehnsucht und Melancholie unterstreicht. Im zweiten Teil des Gedichts steht das Mägdlein still auf dem Söller und ist sich selbst nicht bewusst, was ihr Herz empfindet. Der sanftumdämmerte Blick des Jünglings spiegelt ihr Himmel, Erde und Meer zurück. Die Liebenden fühlen sowohl Lust als auch Schmerz, tief in ihren Herzen wogt es wie in einer wilden See. Der Jüngling wird als schön und gut beschrieben, seine inneren Gefühle sind von großer Intensität. Im letzten Teil des Gedichts fleht der Jüngling seine Mutter an, ihm die holde Maid zu geben, die er liebt. Er sehnt sich nach der Ruhe des Herzens und möchte sie zur Tochter haben. Doch die Mutter kann ihm diesen Wunsch nicht erfüllen, da die Trennung unvermeidlich ist. Die Liebenden müssen getrennte Wege gehen, ihre Herzen verhärten sich zu kaltem Stein. Sie ziehen in die düstere Nacht hinaus, während der Jüngling in dem Zauberland zurückbleibt. Die Schönheit und das Glück werden ihnen genommen, und sie müssen in einem Zustand der Trauer und des Verlustes leben, bis sie schließlich in Lethe's Flut versinken und Vergessenheit finden.

Schlüsselwörter

jüngling herz tief weine geschieden bleicher leidest himmel

Wortwolke

Wortwolke zu Trennung

Stilmittel

Anapher
Und so traurest du hier, und so trauren wird dort
Aufruf
O Jüngling so schön, o Jüngling so gut
Kontrast
Wo der Geist verblühet, das Herz erstarrt, Und die Schönheit nimmer empfunden ward
Metapher
O bleicher Jüngling im Mondenschein
Vergleich
Tief wogt's in der Brust, wie in wilder See!