Trauriger Winter

Joseph von Eichendorff

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Nun ziehen Nebel, falbe Blätter fallen, Öd alle Stellen, die uns oft entzücket! Und noch einmal tief Rührung uns beglücket, Wie aus der Flucht die Abschiedslieder schallen.

Wohl manchem blüht aus solchem Tod Gefallen: Daß er, nun eng ans blühnde Herz gedrücket, Von roten Lippen holdre Sträuße pflücket, Als Lenz je beut mit Wäldern, Wiesen allen.

Mir sagte niemals ihrer Augen Bläue: “Ruh auch aus! Willst du ewig sinnen?” Und einsam sah ich so den Sommer fahren.

So will ich tief des Lenzes Blüte wahren, Und mit Erinnern zaubrisch mich umspinnen, Bis ich nach langem Traum erwach im Maie.

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Illustration zu Trauriger Winter

Interpretation

Das Gedicht "Trauriger Winter" von Joseph von Eichendorff thematisiert den Übergang von der traurigen Winterzeit zur Hoffnung auf den Frühling. Der Herbst wird als eine Zeit des Abschieds und der Melancholie beschrieben, in der die Natur ihre Farben verliert und sich auf den Winter vorbereitet. Dennoch findet der Dichter in dieser Zeit auch eine besondere Schönheit und Tiefe der Gefühle, die ihn auf eine Weise berühren, die der Frühling nicht kann. In den folgenden Versen wird die Idee weiterentwickelt, dass der Winter, obwohl er als eine Zeit des Todes und der Leere erscheint, auch eine Quelle der Inspiration und der inneren Erfüllung sein kann. Der Dichter beschreibt, wie er in dieser Zeit eine tiefere Verbindung zu seinen Emotionen und Erinnerungen findet, die ihm ein Gefühl der Zufriedenheit und des Friedens gibt. Die "roten Lippen" und die "holden Sträuße" symbolisieren die Schönheit und die Freude, die auch in der dunkelsten Jahreszeit zu finden sind. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert der Dichter über seine eigene Einsamkeit und die Tatsache, dass ihm niemand Trost oder Ablenkung von seinen Gedanken bietet. Trotzdem entscheidet er sich, die Erinnerungen an den Frühling in seinem Herzen zu bewahren und sich von ihnen träumen zu lassen. Er hofft, dass er eines Tages aus diesem Traum erwachen wird, wenn der Mai kommt und der Frühling seine volle Pracht entfaltet.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Und mit Erinnern zaubrisch mich umspinnen
Personifikation
Bis ich nach langem Traum erwach im Maie