Traum
1584Ich sah in meinem schlaf ein bild gleich einem got, auf einem reichen thron ganz prächtiglich erhaben, in dessen dienst und schutz zugleich aus lust und not sich die torechte leut stets haufenweis begaben. Ich sah, wie dises bild dem wahren got zu spot empfieng, zwar niemal sat, gelübd, lob, opfergaben und gab auch wem es wolt das leben und den tod und pflag sich mit rach, straf und bosheit zu erlaben. Und ob der himmel schon oftmal, des bilds undank zu strafen, seine stern versamlete mit wunder, so war doch des bilds stim noch lauter dan der dunder; Bis endlich, als sein stolz war in dem höchsten schwank, da schlug ein schneller blitz das schöne bild herunder, verkehrend seinen pracht in kot, würm und gestank.
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Interpretation
Das Gedicht "Traum" von Georg Rodolf Weckherlin beschreibt eine Traumvision, in der der Dichter ein Götzenbild sieht, das von vielen Menschen verehrt wird. Dieses Bild thront auf einem prächtigen Thron und wird von den Menschen in ihrer Not und Lust angebetet. Es empfängt Gaben und Opfer, die eigentlich dem wahren Gott zustehen würden, und hat die Macht über Leben und Tod. Das Götzenbild scheint unantastbar zu sein, selbst wenn der Himmel versucht, es zu bestrafen. Die Vision zeigt, wie das Götzenbild trotz göttlicher Strafen weiterhin verehrt wird, da seine Stimme lauter ist als der Donner. Doch schließlich führt der Hochmut des Bildes zu seinem Untergang. Ein Blitz schlägt herab und zerstört das Götzenbild, wobei sein einstiger Glanz in Schmutz, Würmer und Gestank verwandelt wird. Dies symbolisiert den Fall von falschen Idolen und die Vergänglichkeit von Macht und Anbetung. Das Gedicht kritisiert die Anbetung falscher Götter und die menschliche Neigung, sich von äußeren Erscheinungen blenden zu lassen. Es verdeutlicht, dass wahre Macht und Verehrung letztendlich nur dem wahren Gott gebühren und dass falsche Idole unweigerlich fallen werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- verkehrend seinen pracht in kot, würm und gestank
- Hyperbel
- gar prächtiglich erhaben
- Ironie
- dem wahren got zu spot
- Metapher
- Ich sah in meinem schlaf ein bild gleich einem got
- Symbolik
- ein schneller blitz das schöne bild herunder