Traum und Tod

Stefan George

1868

glanz und ruhm ! so erwacht unsre welt Heldengleich bannen wir berg und belt Jung und gross schaut der geist ohne vogt Auf die flur auf die flut die umwogt.

Da am weg bricht ein schein fliegt ein bild Und der rauscht mit der qual schüttelt wild. Der gebot weint und sinnt beugt sich gern ‘Du mir heil du mir ruhm du mir stern’

Dann der traum höchster stolz steigt empor Er bezwingt kühn den Gott der ihn kor… Bis ein ruf weit hinab uns verstösst Uns so klein vor dem tod so entblösst !

All dies stürmt reisst und schlägt blitzt und brennt Eh für uns spät am nacht-firmament Sich vereint schimmerdn still licht-kleinod : Glanz und ruhm rausch und qual traum und tod.

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Illustration zu Traum und Tod

Interpretation

Das Gedicht "Traum und Tod" von Stefan George beschreibt den Aufstieg und Fall des menschlichen Geistes. In der ersten Strophe erwacht die Welt in Glanz und Ruhm, die Menschen bannen Berge und Gürtel mit heldenhafter Kraft. Der Geist schaut jung und groß auf die umwogte Flur und Flut. Doch dann bricht am Weg ein Schein, ein Bild fliegt davon, und der Geist wird von Qual geschüttelt. Er beugt sich dem, was ihm heilig, Ruhm und Stern war. In der zweiten Strophe steigt der Traum höchsten Stolzes empor und bezwingt kühn den Gott, der ihn einst korrigierte. Doch ein Ruf aus der Tiefe stößt den Geist hinab und macht ihn klein und entblößt vor dem Tod. All dies stürmt, reißt, schlägt, blitzt und brennt, bevor sich am späten Nachthimmel Glanz und Ruhm, Rausch und Qual, Traum und Tod zu einem stillen, schimmernden Lichtjuwel vereinen. Das Gedicht beschreibt den Lebensweg des Menschen von der Jugend, in der er sich unbesiegbar fühlt, über die Enttäuschungen und Qualen des Erwachsenenalters bis hin zum Tod. Am Ende findet sich der Mensch in der Stille des Todes wieder, wo sich alle Extreme des Lebens zu einem harmonischen Ganzen vereinen.

Schlüsselwörter

ruhm glanz qual traum tod erwacht unsre welt

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Stilmittel

Alliteration
stürmt reisst und schlägt blitzt und brennt
Anapher
Glanz und ruhm ! so erwacht unsre welt Heldengleich bannen wir berg und belt Jung und gross schaut der geist ohne vogt
Apostrophe
'Du mir heil du mir ruhm du mir stern'
Enjambement
Bis ein ruf weit hinab uns verstösst Uns so klein vor dem tod so entblösst !
Hyperbel
Er bezwingt kühn den Gott der ihn kor...
Kontrast
Uns so klein vor dem tod so entblösst
Metapher
Heldengleich bannen wir berg und belt
Personifikation
Der gebot weint und sinnt beugt sich gern
Synästhesie
Glanz und ruhm rausch und qual traum und tod