Traum

Emmy Hennings

1948

Ich bin so vielfach in den Nächten. Ich steige aus den dunklen Schächten. Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein.

So selbstverloren in dem Grunde, Nachtwache ich, bin Traumesrunde Und Wunder aus dem Heiligenschrein.

Und öffnen sich mir alle Pforten, Bin ich nicht da, bin ich nicht dorten? Bin ich entstiegen einem Märchenbuch?

Vielleicht geht ein Gedicht in ferne Weiten. Vielleicht verwehen meine Vielfachheiten, Ein einsam flatternd, blasses Fahnentuch…

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Illustration zu Traum

Interpretation

Das Gedicht "Traum" von Emmy Hennings thematisiert die Vielfalt und Tiefe der nächtlichen Träume und des Unterbewusstseins. Die lyrische Ich-Figur beschreibt, wie sie in den Nächten in verschiedene Rollen und Zustände schlüpft, aus den "dunklen Schächten" aufsteigt und ihr "Anderssein" in bunten Farben entfaltet. Sie ist selbstverloren in den Tiefen der Nacht, bewacht die Traumwelt und gleicht einem Wunder aus einem Heiligenschrein. Die Pforten der Traumwelt öffnen sich ihr, und sie fragt sich, ob sie aus einem Märchenbuch entsprungen ist oder ob sie vielleicht ein Gedicht ist, das in ferne Weiten geht. Die Sprache des Gedichts ist bildhaft und mystisch. Die Metaphern der "dunklen Schächte", des "Heiligenschreins" und der "Pforten" vermitteln die geheimnisvolle und transzendente Natur der Traumwelt. Die Wiederholung des Wortes "vielfach" unterstreicht die Vielgestaltigkeit und Vielschichtigkeit der Träume. Die Frage am Ende des Gedichts, ob die Träume vielleicht nur ein "einsam flatterndes, blasses Fahnentuch" sind, das verweht, deutet auf die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit der Traumerlebnisse hin. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl der Faszination und des Staunens über die nächtlichen Traumwelten und das Unterbewusstsein. Es lädt den Leser dazu ein, über die Natur der Träume und ihre Bedeutung für das menschliche Erleben nachzudenken. Gleichzeitig wirft es Fragen über die Realität und die Vergänglichkeit der Träume auf und regt zur Reflexion über die Grenzen zwischen Wachsein und Träumen an.

Schlüsselwörter

vielleicht vielfach nächten steige dunklen schächten bunt entfaltet

Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
Ein einsam flatternd, blasses Fahnentuch
Personifikation
Nachtwache ich
Rhetorische Frage
Bin ich nicht da, bin ich nicht dorten?