Trauer

Luise Büchner

1837

Traurig, traurig, o das bist du sehr, Armes Herz, so freudenlos und schwer! Doch warum, warum darf ich nicht fragen, Keine Antwort weißt du mir zu sagen.

Weiß der Himmel, warum über ihn Düstre Wolkenschleier trauernd zieh′n, Und die Blume, die erst aufgesprossen, Warum sie der Tod so schnell geschlossen?

Weiß der lächelnd heit′re, junge Tag, Der nur Glück und Freude spenden mag, Warum kraftlos er muß still erbleichen, Wenn sich nächt′ge Schatten auf ihn neigen?

Weiß die Erde, die in Frühlingspracht, Wie ein Kind so hold und lieblich lacht, Warum bald in Winters eis′gem Wehen Ihre süße Schönheit muß vergehen?

Armes Herz und willst du mehr denn sein, Als der Frühling und der Sonnenschein? Alles Heitre sinkt zum frühen Sterben, Allem Schönen nahet das Verderben.

Ew′ge Trauer ist Gesetz der Welt, Nur im Wechsel ist ihr Lust gesellt, Und je mehr zum Schönen du erkoren, Um so tiefer wird sie dich durchbohren!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Trauer

Interpretation

Das Gedicht "Trauer" von Luise Büchner beschreibt die allgegenwärtige und unausweichliche Trauer, die in der Welt existiert. Die Autorin beginnt mit einer direkten Ansprache an das Herz, das von Trauer erfüllt ist und sich fragt, warum es so traurig ist. Sie stellt fest, dass es keine Antwort auf diese Frage gibt und vergleicht die Trauer des Herzens mit den düsteren Wolken, die über den Himmel ziehen, und dem Tod, der die Blumen schnell schließen lässt. Die Autorin erweitert ihre Betrachtung auf die Natur und fragt sich, warum der fröhliche Tag seine Kraft verliert und erbleicht, wenn die nächtlichen Schatten auf ihn zukommen. Sie fragt sich auch, warum die Erde, die im Frühling so schön und lieblich aussieht, im Winter ihre Schönheit verlieren muss. Die Autorin stellt die Frage, ob das Herz mehr sein möchte als der Frühling und die Sonne, und kommt zu dem Schluss, dass alles Schöne und Heitere zum frühen Sterben bestimmt ist und dem Verderben nahe ist. Die Autorin schließt mit der Feststellung, dass ewige Trauer das Gesetz der Welt ist und nur im Wechsel mit Freude existiert. Je mehr man zum Schönen erwählt wird, desto tiefer wird die Trauer einen durchbohren. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und betont die Vergänglichkeit und Unausweichlichkeit der Trauer im Leben.

Schlüsselwörter

warum weiß traurig armes herz muß mehr schönen

Wortwolke

Wortwolke zu Trauer

Stilmittel

Anapher
Traurig, traurig, o das bist du sehr
Metapher
Um so tiefer wird sie dich durchbohren
Personifikation
Düstre Wolkenschleier trauernd zieh'n
Rhetorische Frage
Doch warum, warum darf ich nicht fragen