Trauer der Liebe
1784Wo die Taub′ in stillen Buchen Ihren Tauber sich erwählt, Wo sich Nachtigallen suchen, Und die Rebe sich vermählt; Wo die Bäche sich vereinen, Ging ich oft mit leichtem Scherz, Ging ich oft mit bangem Weinen, Suchte mir ein liebend Herz.
O, da gab die finstre Laube Leisen Trost im Abendschein; O, da kam ein süßer Glaube Mit dem Morgenglanz im Hain; Da vernahm ich′s in den Winden, Ihr Geflüster lehrte mich: Daß ich suchen sollt′, und finden, Finden, holde Liebe! dich.
Aber ach! wo blieb auf Erden, Holde Liebe, deine Spur? Lieben, um geliebt zu werden, Ist das Loos der Engel nur. Statt der Wonne fand′ ich Schmerzen, Hing an dem, was mich verließ; Frieden gibt den treuen Herzen Nur ein künftig Paradies.
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Interpretation
Das Gedicht "Trauer der Liebe" von Johann Georg Jacobi beschreibt die Sehnsucht und den Schmerz, die mit der Suche nach wahrer Liebe einhergehen. Der Sprecher durchstreift idyllische Naturlandschaften, in denen sich Tiere und Pflanzen in harmonischen Paaren finden, und sucht selbst nach einem liebenden Herzen. In der Stille der Büsche und dem Glanz der Morgensonne findet er Trost und Glauben an die Liebe, die er zu finden hofft. Jedoch bleibt die erhoffte Liebe auf Erden aus, und der Sprecher erkennt, dass die Fähigkeit, bedingungslos zu lieben, den Engeln vorbehalten ist. Statt der ersehnten Wonne erlebt er Schmerz und Verlust, da er an etwas hängt, das ihn verlässt. Die Suche nach Liebe führt nicht zum erhofften Glück, sondern zu Enttäuschung und Trauer. Am Ende des Gedichts findet der Sprecher Trost in der Hoffnung auf ein zukünftiges Paradies, in dem treue Herzen Frieden finden werden. Die Liebe, die auf Erden unerreichbar bleibt, wird als himmlisches Ideal dargestellt, das erst im Jenseits erfüllt werden kann. Das Gedicht vermittelt somit eine melancholische Stimmung und reflektiert über die menschliche Sehnsucht nach vollkommener Liebe und die damit verbundenen Enttäuschungen im irdischen Leben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Lieben, um geliebt zu werden, Ist das Loos der Engel nur
- Metapher
- Statt der Wonne fand ich Schmerzen
- Personifikation
- Frieden gibt den treuen Herzen Nur ein künftig Paradies