Träumerei am Abend
1887Wo einer abends geht, ist nicht des Engels Schatten Und Schönes! Es wechseln Gram und sanfteres Vergessen; Des Fremdlings Hände tasten Kühles und Zypressen Und seine Seele faßt ein staunendes Ermatten.
Der Markt ist leer von roten Früchten und Gewinden. Einträchtig stimmt der Kirche schwärzliches Gepränge, In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge, Wo Müde nach dem Mahle sich zusammenfinden.
Ein Wagen rauscht, ein Quell sehr fern durch grüne Pfühle. Da zeigt sich eine Kindheit traumhaft und verflossen, Angelens Sterne, fromm zum mystischen Bild geschlossen, Und ruhig rundet sich die abendliche Kühle.
Dem einsam Sinnenden löst weißer Mohn die Glieder, Daß er Gerechtes schaut und Gottes tiefe Freude. Vom Garten irrt sein Schatten her in weißer Seide Und neigt sich über trauervolle Wasser nieder.
Gezweige stießen flüsternd ins verlaßne Zimmer Und Liebendes und kleiner Abendblumen Beben. Der Menschen Stätte gürten Korn und goldne Reben, Den Toten aber sinnet nach ein mondner Schimmer.
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Interpretation
Das Gedicht "Träumerei am Abend" von Georg Trakl ist ein tiefgründiges Werk, das die Stimmung und Atmosphäre eines Abends einfängt. Es beginnt mit der Beschreibung einer Person, die abends geht, ohne den Schatten eines Engels. Der Text wechselt zwischen Gram und sanfterem Vergessen, während die Hände des Fremdlings nach Kühle und Zypressen tasten. Die Seele erfährt ein staunendes Ermatten, was auf eine Art von spiritueller Erschöpfung oder Erleuchtung hindeutet. Die zweite Strophe beschreibt eine leere Marktszene, die von roten Früchten und Gewändern befreit ist. Die Kirche präsentiert ein schwärzliches Gepränge, während in einem Garten sanfte Klänge erklingen, wo sich Müde nach dem Mahl zusammenfinden. Diese Strophe vermittelt ein Gefühl von Leere und Ruhe, das typisch für den Abend ist. Die dritte Strophe führt uns in eine traumhafte Kindheit und die Sterne, die sich zu einem mystischen Bild schließen. Die abendliche Kühle rundet sich, was auf eine Art von Vollendung oder Abschluss hindeutet. Der Sinnende wird durch weißen Mohn gelöst, sodass er Gerechtes sieht und Gottes tiefe Freude erfährt. Sein Schatten irrt vom Garten her in weißer Seide und neigt sich über trauervolle Wasser nieder. Die letzte Strophe beschreibt, wie Gezweige flüsternd ins verlassene Zimmer stoßen und Liebendes sowie kleine Abendblumen beben. Die Stätte der Menschen wird von Korn und goldenen Reben umgeben, während den Toten ein mondner Schimmer nachsinnt. Dies vermittelt ein Gefühl von Leben und Tod, das in der Abendstimmung verschmilzt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Angelens Sterne, fromm zum mystischen Bild geschlossen
- Bildlichkeit
- Wo Müde nach dem Mahle sich zusammenfinden
- Enjambement
- Und seine Seele faßt ein staunendes Ermatten
- Kontrast
- Es wechseln Gram und sanftereres Vergessen
- Metapher
- wo einer abends geht, ist nicht des Engels Schatten
- Personifikation
- Gezweige stießen flüsternd ins verlaßne Zimmer
- Symbolik
- weißer Mohn löst die Glieder