Träume

Mathilde Wesendonck

1857

Sag, welch wunderbare Träume Halten meinen Sinn umfangen, Dass sie nicht wie leere Schäume Sind in ödes Nichts vergangen?

Träume, die in jeder Stunde, Jedem Tage schöner blühn, Und mit ihrer Himmelskunde Selig durchs Gemüte ziehn!

Träume, die wie hehre Strahlen In die Seele sich versenken, Dort ein ewig Bild zu malen: Allvergessen, Eingedenken!

Träume, wie wenn Frühlingssonne Aus dem Schnee die Blüten küsst, Dass zu nie geahnter Wonne Sie der neue Tag begrüßt,

Dass sie wachsen, dass sie blühen, Träumend spenden ihren Duft, Sanft an deiner Brust verglühen, Und dann sinken in die Gruft.

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Interpretation

Das Gedicht "Träume" von Mathilde Wesendonck handelt von der tiefen und anhaltenden Wirkung von Träumen auf den menschlichen Geist. Die Dichterin beschreibt, wie diese Träume ihren Geist umfangen und nicht wie leere Schäume im Nichts verschwinden, sondern vielmehr an Schönheit und Intensität gewinnen. Sie vermitteln himmlische Erkenntnisse und durchdringen die Seele mit einem Gefühl der Seligkeit. Die Träume werden als hehre Strahlen dargestellt, die tief in die Seele eindringen und ein ewiges Bild malen, das sowohl vergessen als auch bewusst erinnert wird. Diese paradoxe Natur der Träume spiegelt ihre Fähigkeit wider, sowohl flüchtig als auch beständig zu sein. Die Dichterin vergleicht die Träume mit der Frühlingssonne, die die Blüten aus dem Schnee küsst und sie zu neuer Wonne erweckt. Die Träume wachsen und blühen, spenden ihren Duft und verglühen sanft an der Brust, um schließlich in die Gruft zu sinken. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Wertschätzung für die transformative Kraft der Träume. Sie werden als Quelle der Inspiration und des Trostes dargestellt, die den Geist beleben und erheben. Gleichzeitig erkennt die Dichterin die vergängliche Natur der Träume an, die wie Blumen blühen und vergehen. Am Ende des Gedichts liegt jedoch eine gewisse Melancholie, da die Träume schließlich in die Gruft sinken, was auf die unvermeidliche Vergänglichkeit und den Tod hinweist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Träume, die in jeder Stunde, Jedem Tage schöner blühn
Kontrast
Sanft an deiner Brust verglühen, Und dann sinken in die Gruft
Metapher
Träume, die in jeder Stunde, Jedem Tage schöner blühn
Personifikation
Träume, die in jeder Stunde, Jedem Tage schöner blühn
Symbolik
Dass sie wachsen, dass sie blühen, Träumend spenden ihren Duft
Vergleich
Träume, die wie hehre Strahlen In die Seele sich versenken