Totentanz
1916So sterben wir, so sterben wir. Wir sterben alle Tage, Weil es so gemütlich sich sterben läßt. Morgens noch in Schlaf und Traum Mittags schon dahin. Abends scho zuunterst im Grabe drin.
Die Schlacht ist unser Freudenhaus. Von Blut ist unsere Sonne. Tod ist unser Zeichen und Losungswort. Weib und Kind verlassen wir - Was gehen sie uns an? Wenn man sich auf uns nur Verlassen kann.
So morden wir, so morden wir. Wir morden alle Tage Unsre Kameraden im Totentanz. Bruder, reck dich auf vor mir, Bruder, deine Brust Bruder, der du fallen und sterben mußt.
Wir murren nicht, wir knurren nicht, Wir schweigen alle Tage, Bis sich vom Gelenke das Hüftbein dreht. Hart ist unsere Lagerstatt Trocken unser Brot. Blutig und besudelt der liebe Gott.
Wir danken dir, wir danken dir, Herr Kaiser, für die Gnade, Daß du uns zum Sterben erkoren hast. Schlafe nur, schlaf sanft und still, Bis dich auferweckt, Unser armer Leib, den der Rasen deckt.
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Interpretation
Das Gedicht "Totentanz" von Hugo Ball beschreibt die grausame Realität des Krieges und die Gleichgültigkeit der Soldaten gegenüber Tod und Zerstörung. Es zeigt, wie der Tod zum alltäglichen Begleiter wird und wie die Soldaten sich daran gewöhnen, ständig dem Tod ins Auge zu sehen. Die Wiederholung des Satzes "So sterben wir, so sterben wir" unterstreicht die Unausweichlichkeit des Todes und die Resignation der Soldaten. Das Gedicht verdeutlicht auch die Brutalität des Krieges, indem es die Schlacht als "Freudensaal" bezeichnet und Blut als Sonne beschreibt. Die Soldaten verlassen ihre Familien und haben keine Rücksicht auf andere, solange sie sich aufeinander verlassen können. Die Wiederholung von "So morden wir, so morden wir" betont die alltägliche Gewalt und den Verlust von Kameraden im Totentanz des Krieges. Abschließend zeigt das Gedicht die Resignation und den Verlust des Glaubens der Soldaten. Sie murren nicht und schweigen, bis sie sterben. Die Soldaten danken dem Kaiser für die "Gnade", zum Sterben auserwählt worden zu sein, und akzeptieren ihren Tod als unvermeidlich. Das Gedicht endet mit dem Bild des schlafenden Soldaten, der vom Rasen bedeckt wird, was die Endgültigkeit des Todes und die Sinnlosigkeit des Krieges verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wir danken dir, wir danken dir
- Metapher
- Unser armer Leib, den der Rasen deckt
- Parallelismus
- Bruder, reck dich auf vor mir, Bruder, deine Brust, Bruder, der du fallen und sterben mußt
- Personifikation
- Blutig und besudelt der liebe Gott
- Symbolik
- Unser armer Leib, den der Rasen deckt