Totenliebe

Felix Dörmann

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Und leise trat ich an Dein Sterbelager, Du kaum erschlossne, schnell verwelkte Blüte. - - Mir war ja heimlich zugeflüstert worden, Du hättest ganz im Stillen mich geliebt. - -

Noch einmal hoben sich die schweren Lider Und aus den todesmatten Augen brach Ein letzter - langer - tiefer Blick der Liebe, Und Deine abgezehrte, kleine Hand, Noch einmal legte sie sich fest in meine, Und dann war Alles, Alles, Alles aus.

Halb unbewußt war ich hinausgegangen… Zu einer stillen, grünen Ruhestätte, Zu einem schattenkühlen Schlummerbette, In dem ein Herz vergißt sein Glutverlangen.

Und wieder faßte mich das alte Bangen, Das ich so gerne längst begraben hätte, Und wieder hörte ich Dein dumpfes: “Rette!” Das mich verfolgt in Nächten, qualvoll langen.

Und meiner Brust, der heißen, sehnsuchtstollen, Erstickte Liebeslaute sich entrangen, Und schwere Reuetränen niederquollen.

Da lebenswarm noch glühten Deine Wangen, War ich zu kalt, um Freundschaft nur zu zollen, Und jetzt, nach Deinem Tod, dies Glutverlangen?

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Illustration zu Totenliebe

Interpretation

Das Gedicht "Totenliebe" von Felix Dörmann handelt von der tiefen Trauer und Reue des lyrischen Ichs nach dem Tod einer geliebten Person. Das Gedicht ist in zwei Teile gegliedert, die beide die Gefühle des lyrischen Ichs nach dem Verlust des geliebten Menschen thematisieren. Im ersten Teil des Gedichts beschreibt das lyrische Ich, wie es am Sterbelager der geliebten Person steht. Es erinnert sich an die letzten Augenblicke vor dem Tod, in denen die geliebte Person ihm noch einmal ihre Liebe gesteht. Das lyrische Ich ist tief berührt von diesem Moment und hält die Hand der Sterbenden in seiner eigenen. Doch dann ist alles vorbei und die geliebte Person ist gestorben. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt das lyrische Ich, wie es nach dem Tod der geliebten Person auf den Friedhof geht. Es fühlt sich von alten Ängsten und Zweifeln geplagt und hört die verzweifelte Stimme der geliebten Person, die es um Hilfe bittet. Das lyrische Ich gibt seiner Trauer und seinem Schmerz Ausdruck und weint bittere Tränen. Es fragt sich, warum es der geliebten Person zu Lebzeiten nicht die Liebe und Freundschaft geben konnte, die sie verdient hätte, und warum es erst jetzt, nach ihrem Tod, diese Glut der Liebe verspürt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Trauer und Reue über den Verlust eines geliebten Menschen. Es zeigt, wie schmerzhaft es sein kann, wenn man die Gelegenheit verpasst hat, jemandem die Liebe und Zuneigung zu geben, die er oder sie verdient hätte. Das Gedicht erinnert uns daran, wie wichtig es ist, unsere Gefühle auszudrücken und unsere Liebsten zu schätzen, solange wir noch die Chance dazu haben.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
[schnell verwelkte tiefer Blick der Liebe heißen, sehnsuchtstollen]
Anapher
[Und dann war Alles, Alles, Alles aus Und wieder faßte mich das alte Bangen Und wieder hörte ich Dein dumpfes]
Kontrast
[Und meiner Brust, der heißen, sehnsuchtstollen Da lebenswarm noch glühten Deine Wangen War ich zu kalt, um Freundschaft nur zu zollen]
Metapher
[Du kaum erschlossne, schnell verwelkte Blüte Zu einer stillen, grünen Ruhestätte Zu einem schattenkühlen Schlummerbette]
Personifikation
[Und Deiner Brust, der heißen, sehnsuchtstollen]
Rhetorische Frage
[Und jetzt, nach Deinem Tod, dies Glutverlangen?]