Todtenwacht

Lisa Baumfeld

unknown

- »und dass ich das Schmerzlichste sage -« (Heine)

Ich hab′ solange Todtenwacht gehalten An der geliebten Bahre; - tausendmal Geschluchzt auf wunden Knien, beim lieben Sarge, Und aus den Thränen stiegen fackelgleich Viel weisse Flammen auf … und banger Weihrauch Drang wolkig auf …

Ich kniete nächtelange Und schmerzlich webte ich das Todtenkleid, Und webte es aus Fetzen meiner Seele … … Drum klebt viel blasses Blut dran -

Nächtelang Hab′ ich gekniet an dem geliebten Sarg … Drin lag des lieben Gottes liebe Leiche. -

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Illustration zu Todtenwacht

Interpretation

Das Gedicht "Todtenwacht" von Lisa Baumfeld ist eine tief emotionale und schmerzvolle Auseinandersetzung mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Die Sprecherin beschreibt, wie sie eine Totenwache an der Bahre des Verstorbenen gehalten hat, wobei ihre Trauer und ihr Schmerz durch intensive Bilder und Metaphern zum Ausdruck kommen. Die wiederholten Nächte des Kniefalls und Weinens verdeutlichen die Tiefe ihrer Trauer und die Unerträglichkeit des Verlustes. Die Metapher des Webens des Totenkleids aus Fetzen der eigenen Seele ist besonders eindrucksvoll. Sie symbolisiert, wie der Schmerz und die Trauer die Sprecherin bis ins Innerste durchdringen und sie buchstäblich verzehren. Das blasse Blut, das an dem Gewand klebt, ist ein starkes Bild für die körperliche und seelische Verletzung, die der Verlust verursacht hat. Die weißen Flammen und der bange Weihrauch schaffen eine fast sakrale Atmosphäre, die den Tod als einen Übergang in eine andere Sphäre darstellt. Die abschließende Zeile, in der der Sarg als die "liebe Leiche des lieben Gottes" bezeichnet wird, fügt dem Gedicht eine religiöse Dimension hinzu. Dies könnte als Ausdruck der Verklärung des Verstorbenen oder als Versuch, den Schmerz durch die Einbettung in einen größeren, göttlichen Zusammenhang zu ertragen, interpretiert werden. Das Gedicht ist somit nicht nur eine persönliche Klage, sondern auch eine Reflexion über die menschliche Existenz und den Umgang mit dem Tod.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Ich hab′ solange Todtenwacht gehalten
Metapher
Drum klebt viel blasses Blut dran
Personifikation
Und banger Weihrauch Drang wolkig auf
Symbolik
Drin lag des lieben Gottes liebe Leiche