Todtengräberlied
1783Grabe, Spaden, grabe, Alles was ich habe Dank ich, Spaden, dir! Reich’ und arme Leute Werden meine Beute, Kommen einst zu mir!
Weiland groß und edel, Nickte dieser Schedel Keinem Gruße Dank! Dieses Beingerippe, Ohne Wang’ und Lippe, Hatte Gold und Rang!
Jener Kopf mit Haaren War vor wenig Jahren Schön wie Engel sind! Tausend junge Fentchen Leckten ihm das Händchen, Gafften sich halb blind!
Grabe, Spaden, grabe, Alles was ich habe Dank ich, Spaden, dir! Reich’ und arme Leute Werden meine Beute, Kommen einst zu mir!
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Interpretation
Das Gedicht "Todtengräberlied" von Ludwig Christoph Heinrich Hölty ist eine morbide und ironische Betrachtung des Todes und der Vergänglichkeit des Lebens. Der Sprecher, vermutlich ein Totengräber, singt ein Loblied auf seine Spaten, die ihm ermöglichen, die Toten zu begraben. Er dankt den Spaten für all das, was er hat, und betont, dass sowohl reiche als auch arme Menschen am Ende zu seiner Beute werden und zu ihm kommen. Das Gedicht zeigt die Gleichheit aller Menschen im Angesicht des Todes und die Nutzlosigkeit von Reichtum und sozialem Status im Jenseits. In den folgenden Strophen beschreibt der Sprecher die Überreste der Toten, die er begraben hat. Er erwähnt einen einst großen und edlen Kopf, der jetzt nur noch ein Schädel ohne Wangen und Lippen ist, der einst Gold und Rang besaß. Ein anderer Kopf, der vor wenigen Jahren noch schön wie ein Engel war, wird beschrieben. Junge Mädchen leckten einst an seinen Händchen und starrten ihn an, bis sie fast erblindeten. Diese Beschreibungen unterstreichen die Vergänglichkeit des Lebens und die Tatsache, dass der Tod alle Unterschiede zwischen den Menschen auslöscht. Das Gedicht endet mit einer Wiederholung der ersten Strophe, was die unausweichliche Natur des Todes und die Rolle des Totengräbers als gleichmacherische Kraft betont. Der Totengräber ist dankbar für seine Spaten, die ihm ermöglichen, seine Arbeit zu tun und alle Menschen, unabhängig von ihrem Status oder ihrer Schönheit, zu begraben. Die Ironie des Gedichts liegt darin, dass der Totengräber, der normalerweise als traurige Figur angesehen wird, hier als jemand dargestellt wird, der seine Arbeit genießt und die Gleichheit schätzt, die der Tod bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Jener Kopf mit Haaren
- Anapher
- Grabe, Spaden, grabe
- Bildsprache
- Ohne Wang' und Lippe
- Enjambement
- Weiland groß und edel / Nickte dieser Schedel
- Hyperbel
- War vor wenig Jahren Schön wie Engel sind!
- Ironie
- Dank ich, Spaden, dir!
- Kontrast
- Reich' und arme Leute
- Metapher
- Alles was ich habe Dank ich, Spaden, dir!
- Personifikation
- Grabe, Spaden, grabe
- Wiederholung
- Grabe, Spaden, grabe