Todte Freundschaft
1862Es ist vorbei - auch dieser Traum ist aus, Auch diesen Kelch hat leer das Herz getrunken, Auch dieser Stern ist in den Staub gesunken - Hinweg, hinweg - es führt in dieses Haus Kein Gott mich mehr zurück! Weh′ euren Banden - Ihr habt mich nie geliebt und nie verstanden!
Warum denn locktet ihr mich falsch hinein, Warum habt meine Seele ihr gebettet Auf des Vertrauens Pfühl, bis sie gekettet Sich an euch fest mit ihrem ganzen Sein? Warum? Da eure Zungen dann bekannten - Daß ihr mich nie geliebt und nie verstanden!
War ich ein Spielzeug nur in eurer Hand, Ein Zeitvertreib, den Geist euch zu ergetzen? Ihr labtet euch an meines Herzens Schätzen, Dann warfet achtlos ihr es in den Sand; Sprecht, ob von Schaam nicht eure Stirnen brannten - Die ihr mich nie geliebt und nie verstanden!
Ich gehe - nimmer mißt zurück mein Fuß Die Straße - gehe sonder Muth und Glaube; Entrüstung hebt empor mich aus dem Staube, Allein es starb der Freundschaft Genius. Euch ist nur Wahn, was Andre wahr empfanden - Mich habt ihr nie geliebt und nie verstanden!
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Interpretation
Das Gedicht "Todte Freundschaft" von Luise Büchner ist ein eindringliches Plädoyer gegen die Enttäuschung und den Schmerz, der durch eine falsche Freundschaft entsteht. Die Autorin beschreibt, wie sie von ihren Freunden getäuscht und ausgenutzt wurde, und wie sie nun bitter und enttäuscht zurückbleibt. Das Gedicht beginnt mit einem starken Bild: "Es ist vorbei - auch dieser Traum ist aus". Hier wird deutlich, dass die Freundschaft, die die Autorin einst so sehr geschätzt hat, nun zu Ende ist. Der Traum ist ausgeträumt, und die Autorin muss nun mit der Realität konfrontiert werden. Die Verwendung des Wortes "Kelch" deutet darauf hin, dass die Autorin einen bitteren Trunk zu sich genommen hat, der ihr nun übel aufstößt. Im zweiten Strophenabschnitt fragt die Autorin sich, warum ihre Freunde sie überhaupt in ihre Mitte aufgenommen haben, wenn sie doch nie wirklich an ihr interessiert waren. Die Verwendung des Wortes "Pfuhl" deutet darauf hin, dass die Autorin sich in ihrer Freundschaft geborgen und sicher gefühlt hat, aber nun erkennt, dass es sich dabei nur um eine Illusion handelte. Im dritten Strophenabschnitt wird deutlich, dass die Autorin sich von ihren Freunden ausgenutzt und missbraucht fühlt. Sie vergleicht sich selbst mit einem "Spielzeug" oder einem "Zeitvertreib", der nur dazu dient, ihre Freunde zu unterhalten. Die Verwendung des Wortes "Schätze" deutet darauf hin, dass die Autorin sich in ihrer Freundschaft geöffnet und verletzlich gezeigt hat, aber nun erkennt, dass ihre Freunde nur an ihrem eigenen Vorteil interessiert waren. Im letzten Strophenabschnitt beschreibt die Autorin, wie sie nun allein und enttäuscht dasteht. Sie geht ohne Mut und Glauben, aber mit Entrüstung im Herzen. Die Verwendung des Wortes "Genius" deutet darauf hin, dass die Autorin einst an die Kraft der Freundschaft geglaubt hat, aber nun erkennt, dass es sich dabei nur um eine Illusion handelte. Die Autorin schließt mit den Worten "Euch ist nur Wahn, was Andre wahr empfanden", was darauf hindeutet, dass ihre Freunde nie wirklich verstanden haben, was Freundschaft bedeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- [Auch dieser Traum ist aus Auch diesen Kelch hat leer das Herz getrunken Auch dieser Stern ist in den Staub gesunken Ihr habt mich nie geliebt und nie verstanden Daß ihr mich nie geliebt und nie verstanden Die ihr mich nie geliebt und nie verstanden]
- Hyperbel
- [Kein Gott mich mehr zurück]
- Kontrast
- [Euch ist nur Wahn, was Andre wahr empfanden]
- Metapher
- [Auch diesen Kelch hat leer das Herz getrunken Auch dieser Stern ist in den Staub gesunken Bis sie gekettet sich an euch fest mit ihrem ganzen Sein Ihr labtet euch an meines Herzens Schätzen]
- Personifikation
- [Entrüstung hebt empor mich aus dem Staube Es starb der Freundschaft Genius]
- Rhetorische Frage
- [Warum denn locktet ihr mich falsch hinein Warum habt meine Seele ihr gebettet War ich ein Spielzeug nur in eurer Hand Sprecht, ob von Schaam nicht eure Stirnen brannten]