Todesmut
1843Immer schwingt ein Totenfalter Sich vor meinen Schritten auf: Kündet er als Schicksalswalter Meines Lebens kurzen Lauf?
Sieh! dort strahlt die lichte Sonne Mir vom Himmelsbau herab, Mahnt mich all’ der süßen Wonne, Die ich voll genossen hab'.
Selig fühl’ ich mich erbeben, Und ich neige mich vor ihr: “Nimm, was Dein war, all’ mein Leben, Ewig bleibt Dein Leuchten mir.”
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Interpretation
Das Gedicht "Todesmut" von Felix Dahn thematisiert die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und der Vergänglichkeit des Lebens. Der Sprecher begegnet einem Totenfalter, der als Symbol für den Tod steht und ihn an die Kürze seines Lebens erinnert. Gleichzeitig wird er jedoch von der Schönheit der Welt und der "süßen Wonne" berührt, die er bereits erfahren durfte. Der zweite Teil des Gedichts zeigt eine Hinwendung zum Tod. Der Sprecher fühlt sich "erbeben" und neigt sich vor dem Tod, indem er ihm sein Leben anbietet. Er akzeptiert den Tod als Teil des Lebens und sieht in ihm eine Art Erlösung. Die letzten Zeilen drücken die Hoffnung aus, dass das Licht des Lebens, das der Tod nun "nimmt", in irgendeiner Form weiterbestehen wird. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine ambivalente Stimmung. Einerseits wird die Angst vor dem Tod und der Verlust des Lebens thematisiert, andererseits aber auch die Schönheit des Lebens und die Hoffnung auf ein Weiterbestehen in irgendeiner Form. Der Sprecher scheint bereit zu sein, sich dem Tod zu stellen und sein Leben in die Hand des Schicksals zu legen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostroph
- "Nimm, was Dein war, all' mein Leben"
- Frage
- Kündet er als Schicksalswalter Meines Lebens kurzen Lauf?
- Hyperbel
- Ewig bleibt Dein Leuchten mir
- Kontrast
- Sonne strahlt/lichte Sonne vs. Totenfalter
- Metapher
- Immer schwingt ein Totenfalter
- Personifikation
- Sieh! dort strahlt die lichte Sonne
- Symbolik
- Totenfalter als Symbol für den Tod