Toast
1806an Goethe’s achtzigstem Geburtstage, an der türkischen Gränze ausgebracht.
Viele Sänger gibt’s in allen Landen, Wohlberufen, kundig alles Schönen, Werth, daß Menschenhände, sie zu krönen, Rosenzweige reihn zu duft’gen Banden.
So auch glühn auf allen Bergen Trauben, Werth, daß Hebe sie in goldnen Schalen Göttern reiche bei den Freudenmahlen In den heitern, ewig grünen Lauben.
Doch nur einen Wein hat es gegeben, Der Unsterblichen selbst dünkt der beste, Den sie trinken bei dem schönsten Feste: Saft, gekeltert aus Tokaier Reben.
So auch ward ein Dichter nur geboren, Daß er hoch ob allen andern rage; Daß den Kranz er reicher Ehren trage, Ward er von den Himmlischen erkoren!
Darum soll der edelste der Weine Ihn, den greisen Dichterkönig, laben, Möge lange noch die Welt ihn haben, Leb’ er lang’ noch in des Glückes Scheine! –
Dieses Gold der Reben sollst Du trinken, Vater Goethe, vielgeliebt und theuer! Rieselt durch die Adern Dir sein Feuer, Wird Dir Jugend von der Wange blinken! –
Denn es hat die Gabe Deiner Werke: Nicht das Blut leicht schäumend zu berauschen, Doch die ew’ge Jugend einzutauschen, Höchste Milde, Klarheit, Gluth, tief innre Stärke!
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Interpretation
Das Gedicht "Toast" von Joseph Christian von Zedlitz ist ein Lobgedicht auf Johann Wolfgang von Goethe anlässlich seines 80. Geburtstages. Der Dichter vergleicht Goethe mit einem einzigartigen Wein, der aus Tokaier Reben gekeltert wurde und den selbst die Unsterblichen als den besten erachten. Diese Metapher verdeutlicht Goethes herausragende Stellung in der Welt der Literatur und seine Unsterblichkeit durch seine Werke. Der Autor betont, dass es viele talentierte Dichter und Trauben gibt, aber nur einen, der wie ein edler Wein aus Tokaier Reben ist. Dieser Wein symbolisiert Goethes außergewöhnliches Talent und seinen Einfluss auf die Literatur. Der Dichter wünscht sich, dass Goethe, der "greise Dichterkönig", diesen edelsten Wein trinken möge, um weiterhin in Glück und Jugend zu schwelgen. Das Gedicht schließt mit der Aussage, dass Goethes Werke die Gabe haben, nicht nur das Blut leicht zu berauschen, sondern ewige Jugend, höchste Milde, Klarheit, Glut und tiefe innere Stärke zu vermitteln. Diese Zeilen unterstreichen die transformative Kraft von Goethes Werk und seinen bleibenden Einfluss auf die Literatur und die Menschheit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Doch nur einen Wein hat es gegeben, Der Unsterblichen selbst dünkt der beste
- Metapher
- Denn es hat die Gabe Deiner Werke: Nicht das Blut leicht schäumend zu berauschen, Doch die ew'ge Jugend einzutauschen
- Personifikation
- Werth, daß Hebe sie in goldnen Schalen Göttern reiche bei den Freudenmahlen
- Vergleich
- So auch glühn auf allen Bergen Trauben