Toast auf Kaiser Wilhelm

Theodor Fontane

1898

(25 jähriges Bestehen der Schillerstiftung)

An uns vorüber zog ein festlich Spiel, Wir sahen Freundschaft, Liebe hilfreich walten Und folgten gern der Dichtung schönem Ziel: Uns der Erkenntnis Spiegel vorzuhalten; Ein Mahnwort war′s; und eh′ der Vorhang fiel, Erschien im Kranz erst werdender Gestalten Der Dichter -Fürst. Ihn schmückten Lorbeerreiser - Der erste Trinkspruch aber unsrem Kaiser!

Dem Kaiser, ihm , der unser Schirm und Schild, Ihm , der uns Hut und Hort auf unsren Wegen - Am Fenster steht er, grüßt uns freundlich mild, Und jeden trifft′s, als träf′ ihn Heil und Segen; Ein Talisman wird uns sein hehres Bild, Ein Hoffnungskeim, den wir im Herzen hegen, Als müsse fortan auf uns niedersteigen Ein Teil der Göttergnade, die sein eigen.

Ja, in der Horen wechselvollem Tanz - Er sprach es selbst - erfuhr er viel der Gnaden, Doch der ihm vorbestimmte Siegeskranz Ward auch erkämpft auf dornenreichen Pfaden; Mit Zwangeskraft, weil Pflicht sein Leben ganz, Hat er das Glück an seinen Tisch geladen, Das Glück auch ihn - doch wozu teilen, scheiden, Er war zu groß, um Größe zu beneiden.

An Siegen fast noch reicher als an Jahren, Krönt Demut ihn als seine hellste Zier, Ob Höchstes oder Tiefstes er erfahren, Er weiß es wohl, der Urquell quillt nicht hier; Wie ruhmbegleitet seine Wege waren, Er weist hinauf: › Ihm Ehr′ und Preis, nicht mir!« Uns aber ziemt das Wort zu dieser Frist: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist!

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Illustration zu Toast auf Kaiser Wilhelm

Interpretation

Das Gedicht "Toast auf Kaiser Wilhelm" von Theodor Fontane ist ein patriotisches und lobpreisendes Gedicht, das den Kaiser feiert und seine Leistungen würdigt. Es wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Schillerstiftung verfasst und verbindet die Feier der Stiftung mit einer Huldigung an den Kaiser. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung eines festlichen Spiels, bei dem Freundschaft, Liebe und Dichtung eine Rolle spielen. Es wird ein Mahnwort ausgesprochen, bevor der Vorhang fällt, und der "Dichter-Fürst" erscheint im Kranz erst werdender Gestalten. Der erste Trinkspruch gilt jedoch dem Kaiser, der als Schirm und Schild des Volkes verehrt wird. Er wird als Talisman und Hoffnungskeim im Herzen der Menschen beschrieben, der ihnen Heil und Segen bringt. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die Lebensgeschichte des Kaisers, der viel Gnade erfahren hat, aber auch auf dornenreichen Pfaden seinen Siegeskranz erkämpfen musste. Trotz seines Reichtums an Siegen und Jahren bleibt er demütig und weiß, dass der Urquell aller Dinge nicht bei ihm liegt. Er weist stets nach oben und gibt Gott die Ehre, nicht sich selbst. Das Gedicht schließt mit einem Aufruf, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Es ist ein Ausdruck der Treue und des Respekts gegenüber der monarchischen Ordnung und eine Anerkennung der Leistungen des Kaisers für das Volk.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wie ruhmbegleitet seine Wege waren
Anapher
Ihm, der uns Hut und Hort auf unsren Wegen
Anspielung
In der Horen wechselvollem Tanz
Bildsprache
Auf dornenreichen Pfaden
Direkte Ansprache
Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist!
Hyperbel
Ein Talisman wird uns sein hehres Bild
Metapher
Wir sahen Freundschaft, Liebe hilfreich walten
Personifikation
Dem Kaiser, ihm , der unser Schirm und Schild
Rhetorische Frage
Doch wozu teilen, scheiden
Symbol
Ein Mahnwort war's; und eh' der Vorhang fiel