Thuiskon

Friedrich Gottlieb Klopstock

1764

Wenn die Strahlen vor der Dämrung nun entfliehn und der Abendstern Die sanfteren, entwölkten, die erfrischenden Schimmer nun Nieder zu dem Haine der Barden senkt, Und melodisch in dem Hain die Quell’ ihm ertönt;

So entsenket die Erscheinung des Thuiskon, wie Silber stäubt Von fallendem Gewässer, sich dem Himmel, und komt zu euch, Dichter, und zur Quelle. Die Eiche weht Ihm Gelispel. So erklang der Schwan Venusin,

Da verwandelt er dahin flog. Und Thuiskon vernimts, und schwebt In wehendem Geräusche des begrüssenden Hains, und horcht; Aber nun empfangen, mit lauterm Gruss, Mit der Sait’ ihn und Gesang, die Enkel um ihn.

Melodieen, wie der Telyn in Walhalla, ertönen ihm Des wechselnden, des kühneren, deutscheren Odenflugs, Welcher, wie der Adler zur Wolk’ itzt steigt, Dann herunter zu der Eiche Wipfel sich senkt.

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Illustration zu Thuiskon

Interpretation

Das Gedicht "Thuiskon" von Friedrich Gottlieb Klopstock beschreibt eine mystische Begegnung zwischen dem Dichter Thuiskon und den Barden. Die Szene spielt sich in einem Hain ab, wo die Abenddämmerung eine ruhige und erfrischende Atmosphäre schafft. Thuiskon erscheint wie ein silbriger Nebel aus fallendem Wasser, der sich dem Himmel nähert und zu den Dichtern und zur Quelle hinabsteigt. Die Eiche im Hain scheint ihm mit ihrem Rauschen zu antworten, was an den Schwan erinnert, der sich in Venus verwandelte. Thuiskon schwebt in dem wehenden Geräusch des begrüßenden Hains und lauscht den Melodien, die ihm von den Enkeln mit Saiten und Gesang dargebracht werden. Diese Melodien werden mit dem Telyn in Walhalla verglichen, einem Instrument, das für seine mächtigen und wechselnden Klänge bekannt ist. Die Oden, die erklingen, sind kühn und deutsch, sie steigen wie ein Adler zur Wolke empor und sinken dann wieder herab zu den Wipfeln der Eiche. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Ehrfurcht und Feierlichkeit, in der die Natur und die Kunst in harmonischem Einklang stehen. Thuiskon wird als eine Art Schutzgeist oder Muse dargestellt, der die Dichter inspiriert und ihnen seine Gegenwart schenkt. Die Verbindung zwischen dem Dichter und der Natur, symbolisiert durch die Eiche und den Hain, unterstreicht die tiefe Verbundenheit des romantischen Dichters mit seiner Umgebung.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die 'melodisch' klingende 'Quell' ertönt
Anspielung
Verweis auf den Schwan Venusin, eine mythologische Figur
Bildsprache
Die Beschreibung des 'wechselnden, kühneren, deutscheren Odenflugs' als Adlerflug
Hyperbel
Melodieen wie der Telyn in Walhalla ertönen
Metapher
Thuiskon wird mit 'Silber stäubt von fallendem Gewässer' verglichen
Personifikation
Der Abendstern senkt 'sanftere, entwölkte, erfrischende Schimmer'
Symbolik
Die Eiche als Symbol für Stärke und Beständigkeit