Thränen
1877Und es gibt Thränen, die nicht fliessen können, Und es gibt Wunden, die den Geist verbrennen, Viel unsagbare, unsichtbare Qualen, Die nur im Dunkel … blutend, dumpfroth … strahlen.
Was ward mir dies Empfinden zugetheilt, Das dem Erlebnis ahnend voraus eilt, Dass sich im reinsten, goldigsten Geniessen Die Augen plötzlich … angstvoll sehend … schliessen?
Warum das Leid, um das der andre trauert, Wie Geisterathem mir das Herz durchschauert, So dass ich spukhaft - fremdes Weh erlebe Und doch ein eig′nes, liebes … nie durchbebe …?
Und wenn der Misston, der dein Selbst verwirrt, In meiner Seele Äolsharfe klirrt, Da fühl′ ich höhnend, dass der grelle Schall Und all mein Leiden - Wahn und Wiederhall!
O! es gibt Thränen, die nicht fliessen können, Und Wunden … Wunden, die den Geist verbrennen, Und Stürme, die sich nicht in Verse klären - Und Götter gibt′s - die Menschen nicht gewähren …!
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Interpretation
Das Gedicht "Thränen" von Lisa Baumfeld thematisiert die tiefen, oft unaussprechlichen Schmerzen und Leiden des menschlichen Daseins. Es beschreibt Tränen, die nicht fließen können, und Wunden, die den Geist verbrennen, sowie unsichtbare Qualen, die nur im Dunkeln leuchten. Das Gedicht reflektiert über die Natur des Leidens und die menschliche Fähigkeit, Empathie zu empfinden, selbst für das Leid anderer. Baumfeld erforscht die Idee, dass manche Menschen ein vorauseilendes Empfinden haben, das sie dazu bringt, sich vor dem Genuss zu fürchten, da sie wissen, dass er unweigerlich enden wird. Das Gedicht stellt die Frage, warum das Leid anderer so tief berühren kann, dass es wie ein geisterhafter Atem das Herz durchdringt, während das eigene Leid oft unberührt bleibt. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass es Tränen gibt, die nicht fließen können, und Wunden, die den Geist verbrennen. Es gibt Stürme, die sich nicht in Verse klären lassen, und Götter, die den Menschen ihre Gaben nicht gewähren. Diese abschließende Strophe unterstreicht die Unausweichlichkeit des Leidens und die Unfähigkeit der Menschen, es vollständig zu verstehen oder zu überwinden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die nur im Dunkel ... blutend, dumpfroth ... strahlen
- Hyperbel
- Und Stürme, die sich nicht in Verse klären
- Metapher
- Und es gibt Wunden, die den Geist verbrennen
- Rhetorische Frage
- Warum das Leid, um das der andre trauert
- Wiederholung
- Und es gibt Thränen, die nicht fliessen können