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Thränen

Von

Und es gibt Thränen, die nicht fliessen können,
Und es gibt Wunden, die den Geist verbrennen,
Viel unsagbare, unsichtbare Qualen,
Die nur im Dunkel … blutend, dumpfroth … strahlen.

Was ward mir dies Empfinden zugetheilt,
Das dem Erlebnis ahnend voraus eilt,
Dass sich im reinsten, goldigsten Geniessen
Die Augen plötzlich … angstvoll sehend … schliessen?

Warum das Leid, um das der andre trauert,
Wie Geisterathem mir das Herz durchschauert,
So dass ich spukhaft – fremdes Weh erlebe
Und doch ein eig′nes, liebes … nie durchbebe …?

Und wenn der Misston, der dein Selbst verwirrt,
In meiner Seele Äolsharfe klirrt,
Da fühl′ ich höhnend, dass der grelle Schall
Und all mein Leiden – Wahn und Wiederhall!

O! es gibt Thränen, die nicht fliessen können,
Und Wunden … Wunden, die den Geist verbrennen,
Und Stürme, die sich nicht in Verse klären –
Und Götter gibt′s – die Menschen nicht gewähren …!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Thränen von Lisa Baumfeld

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Thränen“ von Lisa Baumfeld ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Schmerz, Leid und dem Unvermögen, diese Gefühle adäquat auszudrücken und zu verarbeiten. Es zeichnet sich durch eine melancholische Grundstimmung und eine introspektive, fast schon resignierte Haltung aus. Die Autorin thematisiert die Existenz von Schmerzen, die sich nicht in Tränen oder sichtbaren Zeichen manifestieren, sondern tief im Inneren wirken und den Geist „verbrennen“. Die Verwendung von Begriffen wie „unsagbare, unsichtbare Qualen“ und „blutend, dumpfroth strahlen“ unterstreicht die Intensität und Unaussprechlichkeit dieser Leiden.

Das Gedicht wirft die Frage nach der Ursache des Schmerzes auf und untersucht das Phänomen der Empathie. Die Autorin hinterfragt, warum sie ein solches Empfinden besitzt, das vorausahnend und in der Lage ist, auch in Momenten des Glücks Angst zu empfinden. Das „goldigste Geniessen“ wird von dem Gefühl der Angst unterbrochen, was auf eine tiefe Verunsicherung und ein Misstrauen gegenüber dem Glück hindeutet. Des Weiteren thematisiert Baumfeld die Fähigkeit, das Leid anderer zu spüren, wodurch das eigene Leid, paradoxerweise, als „fremdes Weh“ erlebt wird, das jedoch tiefgreifende Auswirkungen hat. Dies deutet auf eine hohe Sensibilität und eine tiefe Verbundenheit mit der Welt und ihren Leiden hin.

Die Struktur des Gedichts unterstreicht die innere Zerrissenheit und das Gefühl der Hilflosigkeit. Der Wechsel von Fragen und Feststellungen spiegelt die Suche nach Antworten und die Unfähigkeit, diese zu finden, wider. Die Wiederholung der ersten Zeilen am Ende des Gedichts verstärkt die Eindringlichkeit der Botschaft und unterstreicht die Unabdingbarkeit der Thematik. Das finale Zitat, „Und Götter gibt’s – die Menschen nicht gewähren…!“, ist ein resignierter Ausruf, der die menschliche Machtlosigkeit gegenüber dem Leid und der vermeintlichen Ungerechtigkeit des Schicksals zum Ausdruck bringt.

Die Sprache des Gedichts ist bildhaft und expressiv. Baumfeld verwendet Metaphern und Vergleiche, um die komplexen Emotionen greifbar zu machen. Die „Äolsharfe“, die durch den „Misston“ des Anderen erklingt, symbolisiert die Fähigkeit der Seele, auf äußere Einflüsse zu reagieren und diese in sich widerzuspiegeln. Der „Wahn und Wiederhall“ des eigenen Leidens, das durch das Leid anderer ausgelöst wird, deutet auf eine Verstärkung der negativen Gefühle hin. Die Verwendung von Adjektiven wie „dumpfroth“, „angstvoll“ und „höhnend“ verleiht dem Gedicht eine düstere und beklemmende Atmosphäre.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.