Thaufrischer Mai

Wilhelm Arent

1892

Aus der Gassen wüstem Lärmgedränge, Aus der Großstadt staubig-dumpfer Enge Wall’ ich wonnigfroh zu dir, Natur! Tausend Träume trunken mich umweben, Ueber mir die Lerchen jubelnd schweben, Jauchzend wandle ich der Sonne Spur. Und ein Meer von süßen Melodien Fühl’ ich wogend mir im Busen glühen! Meine Seele athmet seligfrei: Plötzlich stirbt der Sinne Gluthverlangen, Gottes ewiger Hauch hat mich umfangen, Frieden spendest du, thaufrischer Mai.

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Interpretation

Das Gedicht "Thaufrischer Mai" von Wilhelm Arent beschreibt die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der Natur als Zufluchtsort vor dem Lärm und der Enge der Großstadt. Die ersten Zeilen schildern den Kontrast zwischen dem "wüsten Lärmgedränge" der Gassen und der staubig-dumpfen Enge der Stadt, wohin das Ich "wonnigfroh" entflieht, um sich in der Natur zu erholen. In der Natur angekommen, erlebt das Ich eine berauschende, fast ekstatische Stimmung. Tausend Träume umweben es, Lerchen schweben jubelnd über ihm und es wandelt jauchzend der Sonne Spur. Ein Meer von süßen Melodien wogt in seiner Brust und seine Seele atmet seligfrei. Die Natur vermittelt dem Ich ein tiefes Gefühl von Glück und Geborgenheit. Im letzten Vers findet das Ich vollkommene innere Ruhe und Frieden. Das "Gluthverlangen" der Sinne stirbt plötzlich ab, als es von Gottes "ewigem Hauch" umfangen wird. Die Natur im Mai, getränkt von Tau, spendet dem Ich einen tiefen, spirituellen Frieden. Das Gedicht endet mit einem Lobpreis auf die Natur als Quelle der Erquickung und des Trostes für die vom Alltag geplagte Seele.

Schlüsselwörter

gassen wüstem lärmgedränge großstadt staubig dumpfer enge wall

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Stilmittel

Alliteration
Aus der Gassen wüstem Lärmgedränge
Anapher
Aus der Großstadt staubig-dumpfer Enge
Hyperbel
Tausend Träume trunken mich umweben
Metapher
Ein Meer von süßen Melodien
Personifikation
Natur
Synästhesie
Frieden spendest du, thaufrischer Mai