Terzinen über Vergänglichkeit - Erste Terzine
1874Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen: Wie kann das sein, daß diese nahen Tage Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?
Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt, Und viel zu grauenvoll, als daß man klage: Daß alles gleitet und vorüberrinnt.
Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt, Herüberglitt aus einem kleinen Kind Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.
Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war Und meine Ahnen, die im Totenhemd, Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,
So eins mit mir als wie mein eignes Haar.
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Interpretation
Das Gedicht "Terzinen über Vergänglichkeit" von Hugo von Hofmannsthal handelt von der flüchtigen Natur der Zeit und des Lebens. Der Sprecher reflektiert über die Vergänglichkeit der vergangenen Tage und die Unmöglichkeit, diese vollständig zu erfassen oder zu begreifen. Er beschreibt das Gefühl des Verlusts und der Trauer, das mit dem Bewusstsein der Vergänglichkeit einhergeht. In der zweiten Terzine geht es um die Idee, dass alles im Leben vergänglich ist und unaufhaltsam vergeht. Der Sprecher betont, dass dies ein unaussprechliches und schreckliches Phänomen ist, das nicht einmal beklagt werden kann. Er vergleicht sein eigenes Ich mit einem Hund, der stumm und fremd übergeglitten ist, was die Distanz und Fremdheit des eigenen Selbst gegenüber dem früheren Ich verdeutlicht. Die dritte Terzine beschäftigt sich mit der Verbindung des Sprechers zu seinen Ahnen und der Vergangenheit. Er erkennt, dass er auch vor hundert Jahren existiert hat und dass seine Ahnen, die im Todesschlaf liegen, mit ihm verwandt sind wie sein eigenes Haar. Dies verdeutlicht die tiefe Verbundenheit und Einheit des Sprechers mit seiner Vergangenheit und seinen Vorfahren. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung und reflektiert über die Vergänglichkeit des Lebens, die Unmöglichkeit, die Vergangenheit festzuhalten, und die tiefe Verbundenheit des Einzelnen mit seiner eigenen Geschichte und seinen Vorfahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Fort sind, für immer fort
- Enjambement
- Herüberglitt aus einem kleinen Kind Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd
- Hyperbel
- daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt, Herüberglitt aus einem kleinen Kind
- Metapher
- daß alles gleitet und vorüberrinnt
- Personifikation
- daß diese nahen Tage Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen
- Rhetorische Frage
- Wie kann das sein, daß diese nahen Tage Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?
- Symbolik
- Totenhemd
- Vergleich
- Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd