Teppichklopfen
unknownHinter Mauern stehn Gerüste, Es klopft ein Rohr. Neben der Welt, so fragt mein Ohr, Nicht an dieses Lebens Küste?
Der Staub steigt müde, fällt, Staub von vielen Füßen, vielen Tagen, Der Leichnam alten Lebens wird geschlagen, Er hebt sich nicht bis an die Welt.
Längst gebrochnen Brotes Krumen Fallen, und zuletzt Schimmern abgewetzt Arabesken und ergraute Blumen.
Sie krümmen sich im Schlage, Der wellig senkt und hebt, Was matte Finger einst gewebt An einem fernen Tage.
Was man zu wirken angefangen, War weise schon verschollen, Dann war es in den bunten Wollen Noch einmal aufgegangen.
Daß mit verfangen offnen Ringen Ein Mondfigurentraum gelänge, Mußten sich Zusammenhänge Langer Schmerzeswachen schlingen.
Nun stäubt ihr Staub und fallt Geschlagen Und liegt mit ausgeleerten Tagen Neben der Welt.
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Interpretation
Das Gedicht "Teppichklopfen" von Oskar Loerke handelt von der Vergänglichkeit des Lebens und der Vergessenheit, die über menschliche Werke hereinbricht. Der Teppich, einst kunstvoll gewoben und voller Bedeutung, wird nun mechanisch geschlagen, wobei Staub und Krümel fallen – Überreste vergangener Tage und zerbrochener Hoffnungen. Die "abgewetzt Arabesken und ergraute Blumen" symbolisieren die Verblasstheit einst lebendiger Schöpfungen, die nun unter der Gewalt des Klopfens leiden. Das Gedicht reflektiert über die Sinnlosigkeit menschlicher Anstrengungen, da selbst das, was mit Sorgfalt und Weisheit begonnen wurde, letztlich dem Verfall preisgegeben ist. Die "bunten Wollen", in die der Traum von "Mondfiguren" gewoben wurde, stehen für die flüchtige Schönheit und den zerbrechlichen Zusammenhang von Leben und Schmerz. Doch am Ende bleibt nur Staub und Leere, der "ausgeleerten Tagen", die "neben der Welt" liegen – ein Bild für die Isolation und Bedeutungslosigkeit des menschlichen Daseins im Angesicht der Zeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- ausgeleerten Tagen
- Personifikation
- Der Staub steigt müde, fällt