Telefonischer Ferngruß

Joachim Ringelnatz

1883

Ich grüße dich durchs Telefon, Guten Morgen, du Gutes! Ich sauge deiner Stimme Ton In die Wurzeln meines Mutes.

Ich küsse dich durch den langen Draht. Du Meinziges, du Liebes! Was ich dir - nahe - je Böses tat, Aus der Ferne bitt ich: Vergib es!

Bist du gesund? - Gut? - Was? - Wieviel? - Nimm′s leicht! - Vertraue! - Und bleibe Mir mein. - - Wir müssen dies Wellenspiel Abbrechen - - Nein “dir” Dank! - - Ich schreibe!

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Illustration zu Telefonischer Ferngruß

Interpretation

Das Gedicht "Telefonischer Ferngruß" von Joachim Ringelnatz thematisiert die emotionale Verbindung zweier Menschen, die durch die Distanz des Telefons getrennt sind. Der Sprecher nutzt das Telefon, um seinem Gegenüber Nähe und Zuneigung zu vermitteln, obwohl sie physisch voneinander getrennt sind. Die Metaphern des "Saugens" der Stimme in die "Wurzeln des Mutes" und des "Küssens durch den langen Draht" verdeutlichen die Sehnsucht nach Intimität und die Kraft, die die Stimme des geliebten Menschen verleiht. Das Gedicht reflektiert auch die Vergänglichkeit des Moments und die Unvollkommenheit menschlicher Beziehungen. Der Sprecher bittet um Vergebung für vergangene Fehler und betont die Bedeutung der Gesundheit und des Wohlbefindens des anderen. Die kurzen, abgehackten Sätze am Ende des Gedichts ("Bist du gesund? - Gut? - Was? - Wieviel? -") vermitteln die Ungeduld und die Eile des Gesprächs, die durch die Kosten und die begrenzte Zeit des Telefonats bedingt sind. Abschließend lässt das Gedicht den Leser mit einem Gefühl der Sehnsucht und der Unvollständigkeit zurück. Der Sprecher verspricht, einen Brief zu schreiben, was auf die Notwendigkeit einer tieferen, dauerhafteren Form der Kommunikation hindeutet. Das Gedicht vermittelt die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Herausforderungen, die durch physische Distanz entstehen, während es gleichzeitig die Kraft der menschlichen Verbindung und der emotionalen Intimität betont.

Schlüsselwörter

grüße durchs telefon guten morgen gutes sauge stimme

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Stilmittel

Anapher
Ich grüße dich durchs Telefon, Guten Morgen, du Gutes! Ich sauge deiner Stimme Ton In die Wurzeln meines Mutes.
Ellipsen
Bist du gesund? - Gut? - Was? - Wieviel? - Nimm′s leicht! - Vertraue! - Und bleibe Mir mein. - - Wir müssen dies Wellenspiel Abbrechen - - Nein "dir" Dank! - - Ich schreibe!
Metapher
Ich sauge deiner Stimme Ton In die Wurzeln meines Mutes.
Personifikation
Was ich dir - nahe - je Böses tat, Aus der Ferne bitt ich: Vergib es!
Wiederholung
Bist du gesund? - Gut? - Was? - Wieviel? - Nimm′s leicht! - Vertraue! - Und bleibe