Tatkraft
1854Ich habe nicht traurig zu sein, nicht hilflos zu tragen. Stark heiter. Das hab ich zu sein. Was lasse ich Mir von jedem Wind die blöden Kohlen wieder Anfachen, die mir in den Lenden stecken. Ich verbiete mir, mich aufzubringen, traurig zu sein. Ich verbiete mir, mich zu hassen. Wann meine Lippen was tragen, was suchen sie: Staub. Ich verbiete mir von meiner Seele zu nehmen und nicht ihr zu geben. In der Einsamkeit, eine wehe Sonne, da will ich leuchten lernen. Erst Fertige gehören hinaus. Die Flammen des Geschlechts sind dann eine Sonne geworden; Eine weise Sonne für alle. Dann werbt um mich. Alle. Mann und Weib. Gleich. Die hohe Leidenschaft, die Liebe zu allen Geschwistern des Odems brennt glühender, inniger. Mehr als Rauschvergehen ist Rauschtun. Allen. Daß sie ihn mitnehmen. Als Weisheit entfalten. Alle sollt ihr dann werben um mich. Nun, altes Mütterchen, Keinem versage ich mich. Deine welken Wehen, ich verstehe. Stille sie. Und euch ihr Barden, wie werde ich dann euch erst lüften. Ihr Unfertigen, die ihr euch an Unfertige kauert. Wollt ihr auseinander. Auseinander sage ich. Ich will euch helfen, eure Blöße zu verdecken! Ihr müden, mürrischen Felsen, die ihr die Nässe liebt! Und dann meint: Ihr seid Gärten. Es gibt nur einen Stern für uns. Den Mannesstern. Den grauen Stern der Tatkraft. Und hoch lodert aller Welten suchendes Können in einer klaren, blanken, aller Kräfte Wirbel ruhig lachenden Flamme. Das will der Weltvater von allen. Ach ihr Schelme! Ihr Träumenden! Ihr leichtgewandigen, zierlichen Flammen! Wie so schelmisch ihr tanzt - Barden auf Kugeln.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Tatkraft" von Peter Hille ist ein kraftvolles Plädoyer für Selbstbeherrschung, innere Stärke und die Fähigkeit, sich von negativen Emotionen und Einflüssen zu lösen. Der Sprecher fordert sich selbst auf, nicht traurig oder hilflos zu sein, sondern stark und heiter zu bleiben. Er verbietet sich, sich von äußeren Einflüssen wie dem Wind oder seinen eigenen Leidenschaften beeinflussen zu lassen, und strebt stattdessen danach, eine Quelle des Lichts und der Weisheit für andere zu sein. Das Gedicht entwickelt sich zu einer Art Lebensphilosophie, in der der Sprecher die Idee einer "hohen Leidenschaft" und "Liebe zu allen Geschwistern" des Odems (des Lebenshauchs) propagiert. Er fordert die Menschen auf, sich von ihrer Unvollkommenheit und Schüchternheit zu lösen, um gemeinsam an einem höheren Ziel zu arbeiten. Der "Mannesstern" und die "graue Stern der Tatkraft" symbolisieren die Idee, dass alle Menschen durch ihre Fähigkeit zur Tat und zum Handeln verbunden sind. Das Gedicht schließt mit einer Kritik an denen, die sich dem Ideal der Tatkraft nicht stellen. Der Sprecher bezeichnet sie als "Schelme", "Träumende" und "zierliche Flammen", die auf Kugeln tanzen, anstatt sich der Herausforderung zu stellen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Insgesamt ist "Tatkraft" ein Aufruf zur Selbstbeherrschung, zum gemeinsamen Handeln und zur Überwindung von Schwäche und Unvollkommenheit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wie so schelmisch ihr tanzt - Barden auf Kugeln
- Anapher
- Ich verbiete mir, mich aufzubringen, traurig zu sein. Ich verbiete mir, mich zu hassen.
- Anspielung
- Der Weltvater
- Apostrophe
- Nun, altes Mütterchen
- Bildsprache
- In der Einsamkeit, eine wehe Sonne, da will ich leuchten lernen
- Hyperbel
- Hoch lodert aller Welten suchendes Können in einer klaren, blanken, aller Kräfte Wirbel ruhig lachenden Flamme
- Kontrast
- Ich habe nicht traurig zu sein, nicht hilflos zu tragen. Stark heiter.
- Metapher
- Die Flammen des Geschlechts sind dann eine Sonne geworden
- Personifikation
- Was lasse ich Mir von jedem Wind die blöden Kohlen wieder Anfachen
- Symbolik
- Den grauen Stern der Tatkraft