Tastende Tage

Peter Hille

1854

Die Äste in Flammen, die Wipfel entlaubt Am Kreuze das friedenumsprühete Haupt.

Ein Sehnen und Dehnen, wie Mädchen es haben, Renettenrot in die Lüfte gegraben.

Ein streckendes Zittern, ein schwellendes Glühen, Des scheinenden Baumes Adern erblühen.

In gereiztem Scheine Feier-Weh, Flammt Ziegelglut auf Erdenschnee.

Die versteinerte Glut, ein Liebesgedicht, Fällt rosig warm auf der Kälte Gesicht.

Einsamkeit der Einsamkeiten, Welt und ich: wir beide schreiten.

Haltende Hände leise schweben Zu der Sonne goldenem Geben.

Im schmelzenden Schnee was heimlich geht, Ob schon der Frühling im Felde steht?

Apostelhäupter im Abendscheine: Der Kartenspieler trübe Gemeinde.

Die Äste entflammen, die Wipfel entlaubt Am Kreuze das friedenumsprühete Haupt.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Tastende Tage

Interpretation

Das Gedicht "Tastende Tage" von Peter Hille beschreibt eine atmosphärische Szenerie, in der die Natur in einem Übergangszustand zwischen Winter und Frühling zu sein scheint. Die Bilder von brennenden Ästen und kahlen Wipfeln deuten auf eine karge, fast karge Landschaft hin, während die Erwähnung von "Renettenrot" und das "streckende Zittern" auf ein Aufkeimen neuen Lebens hindeuten. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl von Sehnsucht und Erwartung, das in der Natur und im menschlichen Gemüt gleichermaßen spürbar ist. Die "gereizte Schein Feier-Weh" und die "versteinerte Glut" suggerieren eine Mischung aus Schmerz und Schönheit, die in diesem Zwischenzustand der Jahreszeiten liegt. Die "Liebesgedicht" Metapher unterstreicht die Intensität dieser Gefühle und die tiefe Verbundenheit mit der Natur. Im letzten Teil des Gedichts wird die Einsamkeit des Sprechers betont, der sich in einer Welt bewegt, die von einer tiefen Stille und einem geheimnisvollen Wandel erfüllt ist. Die "Haltenden Hände" und das "goldene Geben" der Sonne symbolisieren eine Art von Trost und Hoffnung, die in dieser Zeit des Übergangs gefunden werden kann. Die abschließende Frage nach dem Frühling im Felde lässt den Leser mit einem Gefühl der Ungewissheit und der Erwartung auf das, was kommen mag, zurück.

Schlüsselwörter

äste wipfel entlaubt kreuze friedenumsprühete haupt flammen sehnen

Wortwolke

Wortwolke zu Tastende Tage

Stilmittel

Frage
Ob schon der Frühling im Felde steht?
Metapher
Der Kartenspieler trübe Gemeinde
Personifikation
Einsamkeit der Einsamkeiten