Tapetenblume

Christian Morgenstern

1871

Tapetenblume bin ich fein, kehr wieder ohne Ende, doch, statt im Mai′n und Mondenschein, auf jeder der vier Wände.

Du siehst mich immerdar genung, so weit du blickst im Stübchen, und folgst du mir per Rösselsprung - wirst du verrückt, mein Liebchen.

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Illustration zu Tapetenblume

Interpretation

Das Gedicht "Tapetenblume" von Christian Morgenstern beschreibt eine metaphorische Blume, die nicht in der Natur, sondern auf Tapeten zu finden ist. Die Blume ist ewig präsent und wiederholt sich ohne Ende auf den vier Wänden eines Raumes. Sie ist nicht an die Jahreszeiten oder natürliche Bedingungen gebunden, sondern existiert konstant in ihrem künstlichen Lebensraum. Die Blume spricht direkt zum Betrachter und verspricht, dass sie immer sichtbar ist, egal wie weit man im Raum blickt. Sie warnt jedoch davor, ihr zu folgen, denn wer versucht, ihr zu folgen, wird verrückt. Diese Warnung könnte als Hinweis auf die Gefahr der Besessenheit von etwas Künstlichem oder Unnatürlichem interpretiert werden. Das Gedicht könnte als Kritik an der modernen, urbanen Welt verstanden werden, in der die Natur durch künstliche Darstellungen ersetzt wird. Die Tapetenblume symbolisiert die künstliche Natur, die in unseren Wohnräumen Einzug gehalten hat und uns von der echten Natur entfremdet. Die Warnung am Ende des Gedichts könnte als Appell verstanden werden, die echte Natur nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht von künstlichen Darstellungen täuschen zu lassen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
verrückt, mein Liebchen
Hyperbel
so weit du blickst im Stübchen
Kontrast
doch, statt im Mai′n und Mondenschein, auf jeder der vier Wände
Metapher
Tapetenblume bin ich fein
Personifikation
folgst du mir per Rösselsprung
Wiederholung
kehr wieder ohne Ende