Tanz
1926Milchweiche Schultern! Augen flirren, flackern! Blond und schwarz und sonnengolden Taumeln Haare, wirren, krampfen, Schlingen Brücken, Brücken! Hin Und rüber Taumeln, Kitzel, Bäumen, saugen, Saugen, züngeln, Schürfen Blut Schweres, lustgesträubtes Blut!
In die Wunden Hüpfen Töne, Sielen, bohren, Wühlen, quirlen, Fallen kichernd, Schwellen auf und fressen sich, Gatten, gatten, schwängern sich, Bären Schauer Wahnengroß!
Hilflos surren um die Lichter Mütterängste Nach den Kindern, Die sich winden, Winden, huschen vor den Tritten, Die sie packen, Ihre glasen, sichten Leiber Schinden, scharren, Pressen, schleudern, Tückisch abgemeßne Lüste Jagen unter Brunstgestöhne Brunstgeächze Und Gekrächze!
Durch die Wirrnis Durch die Flirrnis Blitzt Verstummen! Jäh zerflattern Drängen gellend An die Decke Sich die Töne, Klammern, krallen Scheu verwimmernd Am Gebälk! Glotzen nieder, Wo mit Wuchten Schlorrt das Keuchen, Schlappet Ringsum an den Wänden Seinen ungefügen Leib, Unzahlmäulig Zuckt und schnauft!
An die angstzerglühten Herzen Reißen flammend hoch die Lichter Ihre hetzverstörten Kinder, Die in Irren, Wirren Zitternd Ob der ungewohnten Ruhe Ab sich tasten Und sich streicheln Gegenseitig Hell von Staunen, Daß sie leben noch, Sie leben! Zagig finden sie das Lächeln, Fluten leise, fluten, fluten, Reichen summend sich die Hände, Werden warm Und Schwingen Reigen!
Da In Peitschlust, Streitdurst, Quälsucht, Vollgesogen Vom Gebälke Stiebt ein Gellen! Schrillt unbändig, Überschlägt sich, Purzelt, flattert, Springt und stöbert, Federt, pumpelt auf Das Untier, Das Mit tausend Füßen aufschrickt, Trippelt, trappelt, Trappelt, grappelt, Gell gedrängelt Von den Tönen Die zerrasseln, Niederprasseln, Peitschen, schlagen, fiebern, kosen Und im Wirbel Wringen, wiegen Schwelles, Blaßhellrotes Fleisch! Milchweiche Schultern! Augen…
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Interpretation
Das Gedicht "Tanz" von August Stramm ist ein expressionistisches Werk, das die chaotischen und intensiven Empfindungen eines Tanzes in einer Nachtclubszene einfängt. Der Dichter verwendet eine Reihe von kraftvollen und oft verstörenden Bildern, um die physische und emotionale Intensität der Tanzenden zu beschreiben. Die Wiederholung von Wörtern und Phrasen, wie "taumeln", "saugen" und "winden", vermittelt ein Gefühl von Raserei und Verlust der Kontrolle. Die Beschreibung der "milchweichen Schultern" und der "blond und schwarz und sonnengolden" Haare schafft eine visuelle Intensität, die durch die physische Nähe und die erotischen Untertöne verstärkt wird. Das Gedicht entwickelt sich von einer Beschreibung der physischen Bewegungen und Empfindungen zu einer tieferen Erkundung der psychologischen und emotionalen Zustände der Tänzer. Die "Mütterängste" und die Sorge um die "Kinder" deuten auf eine tiefere, vielleicht unbewusste Angst vor dem Verlust der Unschuld oder der Kontrolle hin. Die "unschuldigen" Tänzer werden zu "hetzverstörten Kindern", die in der "ungewohnten Ruhe" nach dem Tanz Trost in der gegenseitigen Umarmung finden
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- anapher
- Milchweiche Schultern!; Augen flirren, flackern!; Blond und schwarz und sonnengolden; Taumeln Haare, wirren, krampfen; Schlingen Brücken; Brücken!; Hin; Und rüber; Taumeln, Kitzel; Bäumen, saugen; Saugen, züngeln; Schürfen Blut; Schweres, lustgesträubtes; Blut!; In die Wunden; Hüpfen Töne; Sielen, bohren; Wühlen, quirlen; Fallen kichernd; Schwellen auf und fressen sich; Gatten, gatten, schwängern sich; Bären Schauer; Wahnengroß!; Hilflos surren um die Lichter; Mütterängste; Nach den Kindern; Die sich winden; Winden, huschen; vor den Tritten; Die sie packen; Ihre glasen, sichten Leiber; Schinden, scharren; Pressen, schleudern; Tückisch abgemeßne Lüste; Jagen unter Brunstgestöhne; Brunstgeächze; Und; Gekrächze!; Durch die Wirrnis; Durch die Flirrnis; Blitzt Verstummen!; Jäh zerflattern; Drängen gellend; An die Decke; Sich die Töne; Klammern, krallen; Scheu verwimmernd; Am Gebälk!; Glotzen nieder; Wo mit Wuchten; Schlorrt das Keuchen; Schlappet Ringsum an den Wänden; Seinen ungefügen Leib; Unzahlmäulig; Zuckt und schnauft!; An die angstzerglühten Herzen; Reißen flammend hoch die Lichter; Ihre hetzverstörten Kinder; Die in Irren, Wirren; Zitternd; Ob der ungewohnten Ruhe; Ab sich tasten; Und sich streicheln; Gegenseitig; Hell von Staunen; Daß sie leben noch; Sie leben!; Zagig finden sie das Lächeln; Fluten leise, fluten, fluten; Reichen summend sich die Hände; Werden warm; Und; Schwingen Reigen!; Da; In Peitschlust, Streitdurst, Quälsucht; Vollgesogen Vom Gebälke; Stiebt ein Gellen!; Schrillt unbändig; Überschlägt sich; Purzelt, flattert; Springt und stöbert; Federt, pumpelt auf; Das Untier; Mit tausend Füßen aufschrickt; Trippelt, trappelt; Trappelt, grappelt; Gell gedrängelt; Von den Tönen; Die zerrasseln; Niederprasseln; Peitschen, schlagen, fiebern, kosen; Und im Wirbel; Wringen, wiegen; Schwelles; Blaßhellrotes Fleisch!; Milchweiche Schultern!; Augen...
- hyperbel
- Milchweiche Schultern; Schlingen Brücken; Schürfen Blut; Hüpfen Töne; Mütterängste; Glasen, sichten Leiber; Brunstgestöhne; Brunstgeächze; Gekrächze; Verstummen; Drängen gellend; Scheu verwimmernd; Schlorrt das Keuchen; Schlappet Ringsum an den Wänden; Seinen ungefügen Leib; Unzahlmäulig; Zuckt und schnauft; Angstzerglühten Herzen; Hetzverstörten Kinder; Reichen summend sich die Hände; Peitschlust, Streitdurst, Quälsucht; Stiebt ein Gellen; Schrillt unbändig; Das Untier; Mit tausend Füßen aufschrickt; Gell gedrängelt; Peitschen, schlagen, fiebern, kosen; Blaßhellrotes Fleisch
- metapher
- Milchweiche Schultern!; Schlingen Brücken; Schürfen Blut; Hüpfen Töne; Mütterängste; Glasen, sichten Leiber; Brunstgestöhne; Brunstgeächze; Gekrächze; Verstummen; Drängen gellend; Scheu verwimmernd; Schlorrt das Keuchen; Schlappet Ringsum an den Wänden; Angstzerglühten Herzen; Hetzverstörten Kinder; Reichen summend sich die Hände; Peitschlust, Streitdurst, Quälsucht; Stiebt ein Gellen; Schrillt unbändig; Das Untier; Mit tausend Füßen aufschrickt; Gell gedrängelt; Peitschen, schlagen, fiebern, kosen; Blaßhellrotes Fleisch
- onomatopoesie
- flirren, flackern; wirr; kitzel; sausen; säugen; züngeln; sielen; bohren; wühlen; quirlen; kichern; surren; winden; huschen; schinden; scharren; pressen; schleudern; gekrächze; zerflattern; gellend; krallen; glotzen; keuchen; schnaufen; zittern; tasten; streicheln; fluten; summend; schrillt; purzelt; flattert; stöbert; federt; pumpelt; aufschrickt; trippelt; trappelt; grappelt; gedrängelt; zerrasseln; niederprasseln; peitschen; schlagen; fiebern; kosen; wringen; wiegen
- personifikation
- Augen flirren, flackern; Taumeln Haare, wirren, krampfen; Schlingen Brücken; Hin Und rüber; Taumeln, Kitzel; Bäumen, saugen; Saugen, züngeln; Schürfen Blut; Schweres, lustgesträubtes Blut; In die Wunden; Hüpfen Töne; Sielen, bohren; Wühlen, quirlen; Fallen kichernd; Schwellen auf und fressen sich; Gatten, gatten, schwängern sich; Bären Schauer; Wahnengroß; Hilflos surren um die Lichter; Mütterängste; Nach den Kindern; Die sich winden; Winden, huschen; vor den Tritten; Die sie packen; Ihre glasen, sichten Leiber; Schinden, scharren; Pressen, schleudern; Tückisch abgemeßne Lüste; Jagen unter Brunstgestöhne; Brunstgeächze; Und Gekrächze; Durch die Wirrnis; Durch die Flirrnis; Blitzt Verstummen; Jäh zerflattern; Drängen gellend; An die Decke; Sich die Töne; Klammern, krallen; Scheu verwimmernd; Am Gebälk; Glotzen nieder; Wo mit Wuchten; Schlorrt das Keuchen; Schlappet Ringsum an den Wänden; Seinen ungefügen Leib; Unzahlmäulig; Zuckt und schnauft; An die angstzerglühten Herzen; Reißen flammend hoch die Lichter; Ihre hetzverstörten Kinder; Die in Irren, Wirren; Zitternd; Ob der ungewohnten Ruhe; Ab sich tasten; Und sich streicheln; Gegenseitig; Hell von Staunen; Daß sie leben noch; Sie leben; Zagig finden sie das Lächeln; Fluten leise, fluten, fluten; Reichen summend sich die Hände; Werden warm; Und Schwingen Reigen; Da In Peitschlust, Streitdurst, Quälsucht; Vollgesogen Vom Gebälke; Stiebt ein Gellen; Schrillt unbändig; Überschlägt sich; Purzelt, flattert; Springt und stöbert; Federt, pumpelt auf; Das Untier; Mit tausend Füßen aufschrickt; Trippelt, trappelt; Trappelt, grappelt; Gell gedrängelt; Von den Tönen; Die zerrasseln; Niederprasseln; Peitschen, schlagen, fiebern, kosen; Und im Wirbel; Wringen, wiegen; Schwelles; Blaßhellrotes Fleisch; Milchweiche Schultern; Augen