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Tango

Von

Tango tönt durch Nacht und Flieder.
Ist′s im Kurhaus die Kapelle?
Doch es springt mir in die Glieder,
Und ich dreh mich schnell und schnelle.

Tango – alle Muskeln spannt er.
Urwald und Lianentriebe,
Jagd und Kampf – und wie ein Panther
Schleich ich durch die Nacht nach Liebe.

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Gedicht: Tango von Klabund

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Tango“ von Klabund beschreibt in knappen, rhythmischen Worten die unmittelbare und überwältigende Wirkung des Tangos auf den Empfindenden. Der Tanz wird hier nicht nur als bloße Bewegung, sondern als ein Gefühl von Urkraft, Instinkt und Leidenschaft inszeniert. Der Text beginnt mit der akustischen Wahrnehmung des Tangos, die mit „Tango tönt“ eingeleitet wird, und sofort mit einer körperlichen Reaktion, die im Tanz selbst ihre Entsprechung findet. Die Beschreibung der Tanzumgebung – „Nacht und Flieder“ – schafft eine Atmosphäre der Sinnlichkeit und des Verborgenen, die den Tanz zusätzlich beflügelt.

Die zentrale Metapher des Gedichts ist der Vergleich des Tangos mit archaischen Kräften. Der Tanz aktiviert „alle Muskeln“ und weckt Bilder von „Urwald und Lianentriebe, Jagd und Kampf“. Diese Bilder evozieren eine Rückkehr zu instinktiven, ursprünglichen Bewegungen und Erfahrungen, die weit über die bloße Unterhaltung hinausgehen. Die Metapher des „Panthers“, der „durch die Nacht nach Liebe“ schleicht, verstärkt dieses Bild von Anmut, Anziehungskraft und zielgerichteter Bewegung. Der Tanz wird hier zum Ausdruck einer tiefen Sehnsucht, einem unbändigen Verlangen nach Liebe, der im Tanz eine kanalisiert Ausdruck findet.

Klabund nutzt einen einfachen, aber effektiven Sprachstil, der durch Reime und eine gewisse Kürze der Verse gekennzeichnet ist. Dies verstärkt den Eindruck der Unmittelbarkeit und der spontanen Reaktion auf den Tanz. Die Wiederholung von „schnell und schnelle“ unterstreicht die Geschwindigkeit und Dynamik der Bewegung, die durch den Tango ausgelöst wird. Der Wechsel von der Beschreibung der äußeren Umgebung zur inneren Erfahrung des Tänzers verdeutlicht die transformative Kraft des Tanzes, der die Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Beobachtung und aktiver Teilnahme auflöst.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Gedicht eine Momentaufnahme der überwältigenden Wirkung des Tangos ist. Es zeigt, wie dieser Tanz ursprüngliche Kräfte weckt, körperliche Reaktionen auslöst und das Bewusstsein auf eine Ebene der Instinkte und der Sehnsucht verlagert. Der Tango wird hier als ein Tanz der Leidenschaft und des Begehrens inszeniert, der die Tänzer in einen Zustand der Ekstase und des Verschmelzens mit der Bewegung und der eigenen Gefühlswelt versetzt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.