Tand

Friedrich Theodor Vischer

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O, es ist nichts. Dieß Alles ist ja Tand! Was hält noch den an holder Täuschung Band, Der weiß, daß Nichts ist, und nach Art der Narren In seiner Seele schuldigem Erblinden Hinlief zu euch, zu suchen und zu scharren, Ob nicht ein Etwas da noch sei zu finden!

Doch Einmal, ja! zum ächten Edelstein Drang da der Bergmann glücklich grabend ein, Zum Diamant der Einfalt und der Treue. Das war ein Etwas, war das Salz der Erden! – Was blieb ihm, als das Thränensalz der Reue? Treulos an solchem Kleinod mußt’ ich werden!

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Illustration zu Tand

Interpretation

Das Gedicht "Tand" von Friedrich Theodor Vischer ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit und dem Wert des Lebens. Der Sprecher betrachtet die Welt als "Tand", als wertlosen Tand, und stellt die Frage, warum man sich noch an die schönen Illusionen klammert, obwohl man weiß, dass alles nichts ist. Er beschreibt, wie er selbst, wie ein Narr, in seiner Seele blind geworden ist und nach etwas Wertvollem sucht, das er in der Welt finden kann. In der zweiten Strophe des Gedichts beschreibt der Sprecher einen Moment der Hoffnung und des Glücks. Er erzählt von einem Bergmann, der erfolgreich nach einem Edelstein grabt und dabei auf einen Diamanten der Einfalt und Treue stößt. Dieser Diamant wird als etwas Wertvolles dargestellt, als das "Salz der Erde". Doch der Sprecher selbst muss erkennen, dass er untreu an diesem Kleinod geworden ist und nur noch das Salz der Reue übrig bleibt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Trauer und des Bedauerns. Der Sprecher scheint zu erkennen, dass er die wertvollen Dinge im Leben nicht zu schätzen wusste und nun nur noch mit Reue zurückbleibt. Es ist ein Appell, die wahren Schätze des Lebens zu erkennen und zu bewahren, bevor es zu spät ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Das Thränensalz der Reue
Personifikation
Der weiß, daß Nichts ist