Tanagra

Rainer Maria Rilke

1875

Ein wenig gebrannter Erde, die von großer Sonne gebrannt. Als wäre die Gebärde einer Mädchenhand auf einmal nicht mehr vergangen; ohne nach etwas zu langen zu keinem Dinge hin, aus ihrem Gefühle führend, nur an sich selber rührend wie eine Hand ans Kinn.

Wir heben und wir drehen eine und eine Figur; wir können fast verstehen weshalb sie nicht vergehen, - tiefer und wunderbarer hängen an dem was war und lächeln: ein wenig klarer vielleicht als vor einem Jahr.

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Illustration zu Tanagra

Interpretation

Das Gedicht "Tanagra" von Rainer Maria Rilke beschreibt eine kleine Terrakottafigur, die wie ein Mädchenhandabdruck wirkt. Die Figur ist aus gebrannter Erde geformt, die von der Sonne gebrannt wurde, und wirkt wie eine eingefrorene Geste einer Mädchenhand, die ohne Ziel oder Zweck nur an sich selbst rührt, wie eine Hand ans Kinn. Die zweite Strophe beschreibt, wie wir die Figur betrachten und drehen, um sie zu verstehen. Es scheint, als ob sie nicht vergehen will, als ob sie tiefer und wunderbarer an dem hängt, was war. Die Figur lächelt, und es scheint, als ob sie ein wenig klarer lächelt als vor einem Jahr. Das Gedicht beschäftigt sich mit der Frage nach der Vergänglichkeit und der Beständigkeit von Kunstwerken. Die Tanagra-Figur wirkt wie ein eingefrorenes Moment, das die Zeit überdauert und uns auch nach vielen Jahren noch berührt. Sie ist ein Symbol für die menschliche Sehnsucht nach Beständigkeit und Unsterblichkeit.

Schlüsselwörter

wenig gebrannter erde großer sonne gebrannt wäre gebärde

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Stilmittel

Alliteration
ein wenig gebrannter Erde
Enjambement
Wir heben und wir drehen eine und eine Figur; wir können fast verstehen weshalb sie nicht vergehen
Metapher
Ein wenig gebrannter Erde, die von großer Sonne gebrannt
Personifikation
ohne nach etwas zu langen zu keinem Dinge hin
Vergleich
wie eine Hand ans Kinn