Tamerlan

Peter Hille

1854

Unwirtlich Leben soll kommen. Munter will ich es haben, Munter von zuckenden Toden, Denn das nur ist echt. Reiche will ich zusammen mir reißen, Wie einer, der friert, Um sich versammelt die Decken. Meinen kleinen häßlichen Braunen Körper Den will ich verstecken Unter tausend großblumigen Decken. Die Blumen sind rot, Die großen Blumen Vom Blute der Männer.

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Illustration zu Tamerlan

Interpretation

Das Gedicht "Tamerlan" von Peter Hille thematisiert die Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod. Der Sprecher fordert ein "unwirtliches Leben", das von "zuckenden Toden" geprägt ist, da nur dies als echt empfunden wird. Dies deutet auf eine Vorliebe für ein intensives, von Extremen gekennzeichnetes Dasein hin, in dem der Tod eine zentrale Rolle spielt. Die Metapher vom "Zusammenreißen" von Reichen, vergleichbar mit dem Zusammenraffen von Decken, wenn man friert, symbolisiert den Wunsch nach Macht und Kontrolle. Der Sprecher strebt danach, sich durch den Erwerb von Reichtümern zu schützen und zu wärmen, was auf einen tiefen existenziellen Kälte- oder Verletzlichkeitsgefühl hindeutet. Die Verbergung des "kleinen hässlichen braunen Körpers" unter "großblumigen Decken" steht für den Versuch, die eigene Unvollkommenheit und Verletzlichkeit durch äußere Pracht und Blutvergießen zu überdecken. Die roten Blumen, die vom "Blute der Männer" stammen, symbolisieren den Preis für Macht und Ruhm, der durch Gewalt und Tod anderer erlangt wird. Das Gedicht zeichnet somit das Bild eines Menschen, der durch Dominanz und Unterdrückung versucht, seine eigene Schwäche zu kompensieren.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Munter von zuckenden Toden
Personifikation
Leben soll kommen
Symbolik
Die Blumen sind rot, Die großen Blumen Vom Blute der Männer
Vergleich
Wie einer, der friert, Um sich versammelt die Decken