Tagelied
1933Da nacht den neuen morgen noch umschattet und dein gemach (Ein sichres dach) Noch lange freuden uns gestattet: Was soll dein leises weinen Und dein weher blick? - Des glückes stunden meinen Für mich ein missgeschick.
Es tröste dich mein schwur Dass du auch fürder keusch mir bist Und ich zu deinen füssen Ergeben dich als engel nur Beschauen will und grüssen - Dein ganzer leib mir lieb und heilig ist - An jedem glied Mein haupt mit inbrunst hängt Und mit gesenktem lid So wie man Gott empfängt.
Und trenn ich mich für heut - für ferne fahrt: Ich trage dich auf der brust verwahrt Das seidentuch worauf dein name steht Der mich wie ein gebet Eh spiel und schlacht beginnen Bestärkt und sieg mir bringt. - O möchten dann nur meine tränen rinnen Wann und des wächters horn zu scheiden zwingt.
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Interpretation
Das Gedicht "Tagelied" von Stefan George handelt von der bittersüßen Trennung zweier Liebenden am Morgen. Der Sprecher tröstet seine Geliebte über die bevorstehende Trennung hinweg, indem er ihr seine ewige Treue und Hingabe versichert. Er verspricht, sie auch in seiner Abwesenheit als engelhaftes Wesen zu verehren und zu beschützen. Die Metapher, den Namen der Geliebten auf einem seidenen Tuch zu tragen, symbolisiert die tiefe emotionale Verbindung und die spirituelle Bedeutung, die die Liebe für den Sprecher hat. Der Name wird zu einem Talisman, der ihn in Spiel und Kampf stärkt und zum Sieg führt, ähnlich wie ein Gebet. Die letzten Zeilen des Gedichts drücken die tiefe Trauer und Sehnsucht des Sprechers aus, die ihn beim Abschied überwältigen. Die Tränen, die er vergießen wird, wenn der Wachter zum Aufbruch ruft, verdeutlichen die emotionale Intensität der Trennung und die tiefe Verbundenheit der beiden Liebenden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Des wächters horn zu scheiden zwingt
- Personifikation
- Da nacht den neuen morgen noch umschattet
- Vergleich
- So wie man Gott empfängt