Tafellied
unknownKränzt, edler Lust Gleich edel lieb zu kosen, Kränzt Haar und Brust Mit ihren jüngsten Rosen! Menschlicher Frühling, schön und kurz, Tropfet Genuß nur auf Tage; Fliehen nun dies′ in zu raschem Sturz, Eitel ist dann auch die Klage.
Dem frohen Kreis Ruft Freude schon im schweben: Geneuß! geneuß! Kurz daur′ ich wie das Leben. Aehnlich dem Freunde scheidet Lust, Der auf der Flucht uns begegnet, Herzlich uns drücket an Mund und Brust Und sich entreißend noch segnet.
Des höchsten Rangs Bist du, o Wein, hienieden. Sei des Gesangs Triumph auch dir beschieden! Lastet des Lebens Bürde schwer Und uns erglänzt nur die Traube, Leichter sofort sind wir, nicht mehr Nagender Sorge zum Raube.
Begegn′ also Der Becher seinem Becher, Und trinke froh Und leer′ ihn jeder Zecher! Jeglichem edlen Herzen Heil, Das im beeiseten Norden, Warmes Gefühles, ein warmer Theil Unserer Kette geworden!
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Interpretation
Das Gedicht "Tafellied" von Heinrich Christian Boie ist ein Festgedicht, das die Freuden des Lebens und des Trinkens feiert. Es beginnt mit einer Einladung, die Haare und die Brust mit Rosen zu kränzen, was als Symbol für die vergängliche Schönheit und die flüchtigen Freuden des Lebens interpretiert werden kann. Der Dichter betont die Kürze des menschlichen Frühlings und ermutigt dazu, den Genuss in den kurzen Tagen des Lebens zu suchen. Er warnt jedoch auch davor, dass Klagen über das Vergangene eitel sind, da alles im Leben einem raschen Sturz entgegengeht. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Freude als eine flüchtige, aber herzliche Begleiterin dargestellt, die sich schnell verabschiedet, aber dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Freude wird mit einem Freund verglichen, der sich herzlich an uns drückt und uns segnet, bevor er geht. Dies unterstreicht die Vergänglichkeit der Freude, aber auch ihre Bedeutung im Leben. Im letzten Teil des Gedichts wird der Wein als das höchste Gut auf Erden gepriesen. Der Dichter sieht im Wein eine Erleichterung der Lasten des Lebens und einen Triumph, der dem Gesang gebührt. Er ermutigt dazu, die Becher zu füllen und zu leeren, und wünscht allen edlen Herzen, die in der Kälte des Nordens leben, Wärme und Gefühl, um Teil der gemeinsamen Kette der Freude und des Genusses zu werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Das im beeiseten Norden,
- Anapher
- Kränzt, edler Lust Gleich edel lieb zu kosen, Kränzt Haar und Brust Mit ihren jüngsten Rosen!
- Hyperbel
- Eitel ist dann auch die Klage
- Metapher
- Warmes Gefühles, ein warmer Theil Unserer Kette geworden!
- Personifikation
- Und sich entreißend noch segnet.