Täglicher Tod
1845Wenn Mehlthau auf die Blume fiel, Da sinkt sie ohne Hoffen, Und ward ein Baum des Blitzes Ziel, Stürzt er, zu Tod getroffen.
Und wenn in einer Menschenbrust Erregt die Qualen werden, Da ist ihr′s innig tief bewußt, Daß Heilung nicht auf Erden.
Dem Baum, der Blume wird sofort Bald stille Ruh′ gegeben, Das Menschenherz allein lebt fort Sein täglich sterbend′ Leben.
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Interpretation
Das Gedicht "Täglicher Tod" von Betty Paoli beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit und dem unausweichlichen Sterben. Es beginnt mit einem Vergleich zwischen einer Blume, die durch Morgentau zugrunde geht, und einem Baum, der vom Blitz getroffen wird. Diese Naturbilder symbolisieren den plötzlichen und unerwarteten Tod. Die Blume sinkt "ohne Hoffen", was auf die Akzeptanz des Schicksals hindeutet, während der Baum, der vom Blitz getroffen wird, einen gewaltsamen Tod erleidet. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich Paoli den menschlichen Gefühlen und dem Leiden zu. Sie beschreibt, wie sich in einer menschlichen Brust Qualen regen, die so tief sind, dass die Betroffenen wissen, dass es auf Erden keine Heilung gibt. Dies deutet auf die Unausweichlichkeit des Leidens und die Hoffnungslosigkeit hin, die oft mit menschlichen Emotionen einhergeht. Die Menschen sind sich ihrer inneren Qual bewusst, können aber nichts dagegen tun. Der letzte Teil des Gedichts kontrastiert das Schicksal von Pflanzen und Menschen. Während Baum und Blume bald in einen ruhigen Zustand übergehen, muss das menschliche Herz weiterleben, "sein täglich sterbend' Leben". Dies impliziert, dass Menschen ständig mit dem Bewusstsein des Todes und des Leidens leben müssen, ohne die Erleichterung, die der Tod bringen würde. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der unendlichen Trauer und des ewigen Kampfes, der das menschliche Dasein auszeichnet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- ['stille Ruh′ gegeben' - Wiederholung des 's'-Lautes. 'täglichen sterbend′ Leben' - Wiederholung des 't'-Lautes.]
- Metapher
- ['Mehlthau auf die Blume fiel' - Vergleich des Tauwassers mit Mehl, das die Blume bedeckt. 'Stürzt er, zu Tod getroffen' - Der Baum als Ziel des Blitzes, der ihn tötet. 'Menschenbrust' - Die menschliche Brust als Ort der Qualen. 'Menschenherz allein lebt fort' - Das menschliche Herz als Symbol für das Leben und die Emotionen.]
- Parallelismus
- ['Wenn Mehlthau auf die Blume fiel, Da sinkt sie ohne Hoffen' - Parallele Struktur der beiden Verse. 'Und ward ein Baum des Blitzes Ziel, Stürzt er, zu Tod getroffen' - Parallele Struktur der beiden Verse. 'Dem Baum, der Blume wird sofort Bald stille Ruh′ gegeben' - Parallele Struktur der beiden Verse. 'Das Menschenherz allein lebt fort Sein täglich sterbend′ Leben' - Parallele Struktur der beiden Verse.]
- Personifikation
- ['Da sinkt sie ohne Hoffen' - Die Blume wird als hoffnungslos dargestellt. 'Erregt die Qualen werden' - Die Qualen werden als etwas dargestellt, das erregt werden kann. 'Daß Heilung nicht auf Erden' - Die Heilung wird als etwas dargestellt, das nicht auf Erden existiert.]