Syringen
1868Fast überirdisch dünkt mich euer Grüßen, Syringen ihr, mit eurem Duft, dem süßen.
Nach Geisterweise weiß ich euch zu werten: ein Duftgesang, er ist mir′s von Verklärten.
Gott, wie ich doch in dieser blauen Kühle der Blumenwolke hier mich wohlig fühle!
Süß heimlich ahnend, was hineinverwoben, wie fühl ich mich so frei, so stolz gehoben!
Bin ich es selbst, des einstig Erdenwesen nun auch einmal zu solchem Glanz genese?
Sind′s meine Lieben, die, ach längst begraben, in diesen Düften Fühlung mit mir haben.
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Interpretation
Das Gedicht "Syringen" von Christian Wagner beschreibt die tiefgreifende Wirkung des Duftes von Fliederblüten auf den lyrischen Ich. Der Sprecher empfindet den Duft als fast überirdisch und vergleicht ihn mit einem "Duftgesang", den er von Verklärten empfängt. Dies deutet auf eine spirituelle oder transzendente Erfahrung hin, bei der der Duft eine Verbindung zu einer höheren Sphäre herstellt. In der zweiten Strophe wird die Wirkung des Duftes auf das lyrische Ich weiter vertieft. Der Sprecher fühlt sich in der "blauen Kühle" der Blumenwolke wohl und geborgen. Er empfindet eine süße Ahnung von etwas, das in den Duft "hineinverwoben" ist, was ihm ein Gefühl von Freiheit und Stolz verleiht. Dies könnte als eine Art Erleuchtung oder Erkenntnis interpretiert werden, die durch den Duft ausgelöst wird. Die letzte Strophe wirft die Frage auf, ob der Sprecher selbst oder seine verstorbenen Lieben durch den Duft eine Verbindung zu einer höheren Existenz oder zu einem "solchen Glanz" erlangt haben. Dies könnte als eine Art Trost oder Hoffnung interpretiert werden, dass der Tod nicht das Ende ist und dass die Verstorbenen in irgendeiner Form weiterleben. Der Duft der Syringen dient als Brücke zwischen der irdischen und der geistigen Welt und ermöglicht eine Art Kommunikation oder Verbindung mit den Verstorbenen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- zu solchem Glanz genese
- Personifikation
- Syringen ihr, mit eurem Duft
- Vergleich
- Fast überirdisch dünkt mich euer Grüßen