Symmetrie

Joseph von Eichendorff

1788

O Gegenwart, wie bist du schnelle, Zukunft, wie bist du morgenhelle, Vergangenheit so abendrot! Das Abendrot soll ewig stehen, Die Morgenhelle frisch drein wehen, So ist die Gegenwart nicht tot.

Der Tor, der lahmt auf einem Bein, Das ist gar nicht zu leiden, Schlagt ihm das andre Bein entzwei, So hinkt er doch auf beiden!

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Illustration zu Symmetrie

Interpretation

Das Gedicht "Symmetrie" von Joseph von Eichendorff beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit der Zeit und der Unmöglichkeit, einen perfekten Zustand des Gleichgewichts zu erreichen. Der Dichter kontrastiert die Gegenwart, die Zukunft und die Vergangenheit mit ihren jeweiligen Farben und Eigenschaften. Die Gegenwart wird als schnelllebig und vergänglich dargestellt, während die Zukunft als hell und vielversprechend und die Vergangenheit als rot wie der Abendhimmel beschrieben wird. Eichendorff verwendet das Bild des Abendrots und der Morgenhelle, um den Wunsch nach einem ewigen Gleichgewicht zwischen Vergangenheit und Zukunft auszudrücken. Er suggeriert, dass, wenn das Abendrot (Vergangenheit) ewig stehen und die Morgenhelle (Zukunft) frisch wehen würde, die Gegenwart nicht tot wäre. Dies impliziert, dass die Gegenwart oft als Übergang zwischen Vergangenheit und Zukunft empfunden wird, der von der Sehnsucht nach dem, was war, und der Erwartung des, was kommen wird, überschattet wird. Im zweiten Teil des Gedichts verwendet Eichendorff eine Metapher, um die Absurdität des Strebens nach Symmetrie zu verdeutlichen. Er beschreibt einen Törichten, der auf einem Bein lahmt und nicht lebenswert ist. Selbst wenn man ihm das andere Bein abschlägt, würde er auf beiden Beinen hinken. Dies deutet darauf hin, dass das Streben nach vollkommener Symmetrie und Gleichheit oft zu einem Verlust der Funktionalität und des Lebens führt. Das Gedicht schließt mit der Erkenntnis, dass die Unvollkommenheit und das Ungleichgewicht im Leben unvermeidlich sind und dass das Streben nach Perfektion oft kontraproduktiv ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Symmetrie

Stilmittel

Alliteration
Zukunft, wie bist du morgenhelle
Anapher
O Gegenwart, wie bist du schnelle, Zukunft, wie bist du morgenhelle, Vergangenheit so abendrot!
Ironie
Der Tor, der lahmt auf einem Bein, Das ist gar nicht zu leiden, Schlägt ihm das andre Bein entzwei, So hinkt er doch auf beiden!
Kontrast
Zukunft, wie bist du morgenhelle, Vergangenheit so abendrot!
Metapher
Das Abendrot soll ewig stehen
Personifikation
Die Morgenhelle frisch drein wehen